Das Finale der ersten Staffel von Lanterns setzt weniger auf spektakuläre Wendungen als auf eine konsequente Auflösung der Geschichte, die die Serie von Anfang an erzählt hat. Statt der von Fans erwarteten kosmischen Eskalation bleibt die Episode ihrem Kern treu: einem Mordfall in einer Kleinstadt, der sich nun in seine Bestandteile auflöst. Wer auf eine große Enthüllung um Hal Jordans Tod oder eine Rückkehr des Spektakels aus Episode 5 gehofft hatte, wird seine Erwartungen zurückschrauben müssen. Das Finale liefert stattdessen einen Abschluss, der sich rund anfühlt.
Die entscheidenden Antworten kommen früh und ohne großes Tamtam. In Rückblenden bis ins Jahr 2016 wird klar, dass Noah tatsächlich eine Art Manhunter ist. Er hat Sinestro aus dem Gefängnis befreit, um einen Lantern zu erschaffen, mit dem er die Guardians auslöschen kann. Sinestro selbst entpuppt sich dabei weniger als Erzfeind denn als Mittel zum Zweck. Seine Rolle in der Staffel bleibt überschaubar, und seine Andeutungen über die Macht der Angst deuten darauf hin, dass eine eigene Sinestro Corps im DCU bislang keine Vorgeschichte hat. Das mag enttäuschen, doch die Auflösung um Noah funktioniert, gerade weil sie sich nicht um jeden Preis als Schockmoment inszeniert.
Ähnlich verhält es sich mit der Enthüllung, dass Kerry Hal tatsächlich getötet hat. Auch diese Wendung war für viele vorhersehbar, ergibt aber erzählerisch Sinn. Kerry hat Hal und John von der ersten Folge an getäuscht, nicht aus Bosheit, sondern um die beiden außerirdischen Wesen zu schützen, die sie liebt. Dass am Ende ein Moment der Leidenschaft und nicht eine große Verschwörung steht, passt zu der Geschichte, die Lanterns erzählt hat. Kelly Macdonald überzeugt in dieser Episode besonders in ihrer tränenreichen Beichte gegenüber John.
Aaron Pierre bekommt im Finale reichlich Material, um Johns innere Reise zu zeigen. Zunächst ist John von den Enthüllungen über Noah verunsichert und von Unruhe getrieben. Im Verlauf der Episode findet er zu sich selbst und zu seinem Platz im Kosmos. Pierre gelingt es, diese Entwicklung mit subtiler Mimik und Körpersprache zu tragen, ohne dass die Rolle dabei an Kontur verliert. Genau darin liegt die Stärke dieser Figur: Sie hätte in den falschen Händen leicht blass wirken können.
Am stärksten ist das Finale dort, wo es die seasonlange Spannung zwischen John und Hal auflöst und die Übergabe des Erbes inszeniert. Das Halogram kann Gefühle ausdrücken, die der echte Hal nie zugelassen hätte, und so wird eine Bindung sichtbar, die dieser zu Lebzeiten nie eingestanden hätte. Hals Satz «I love you too, Junior» wirkt beinahe kitschig, doch Kyle Chandler spielt die Szene so überzeugend, dass man sie ihm abnimmt. Es ist ein Abschied, der unter die Haut geht.
Dass das Finale keinen Weg findet, Chandler weiter im Bild zu halten, ob durch das Halogram oder eine wie auch immer geartete Wiederbelebung, ist bedauerlich. Eine zweite Staffel ohne die Dynamik zwischen Hal und John ist schwer vorstellbar. Doch das ist ein Problem für einen anderen Tag. Für den Moment bleibt ein weitgehend kohärenter und zufriedenstellender Abschluss der Frage, wie John Stewart sein Schicksal als Earths Green Lantern annimmt. Die Serie hätte Johns Umgang mit der Angst noch etwas deutlicher herausarbeiten können, doch das ist eher ein Problem der gesamten Staffel als dieser Episode. Die Schlussszenen jedenfalls positionieren ihn klar für größere Aufgaben im DCU. Endlich ist es Zeit für John Stewart zu fliegen.