Ein russischer Energiekonzern soll heimlich ein milliardenschweres Gasprojekt in den USA finanziert haben. Das berichten die «New York Times» und die «Financial Times» unter Berufung auf frühere Manager des US-Unternehmens Polar LNG und auf interne Dokumente. Demnach soll der russische Gasproduzent Novatek Geld bereitgestellt und zugleich Einfluss auf die Geschäftsführung genommen haben.
Brisant ist der politische Zusammenhang. Über das Vorhaben wurde laut der «New York Times» auch im Rahmen der Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs gesprochen. Russlands Präsident Wladimir Putin soll das Projekt im September mit den US-Unterhändlern Steve Witkoff und Jared Kushner erörtert haben. Hinweise darauf, dass die beiden von der mutmaßlich verdeckten Finanzierung wussten, gibt es nach Angaben der Zeitung nicht.
Polar LNG plant, Erdgas aus Alaska zu verflüssigen und vor allem auf den asiatischen Markt zu bringen. Dabei soll russische Technologie zum Einsatz kommen. Der frühere Unternehmenschef Joel Riddle erklärte, er sei zunächst davon ausgegangen, dass die Finanzierung über eine Firma aus den Vereinigten Arabischen Emiraten laufe. Später habe er erfahren, dass das Geld zumindest teilweise von Novatek stamme. Riddle verließ das Unternehmen im September, ebenso wie weitere Führungskräfte.
Die Vorwürfe werfen Fragen nach möglichen Verstößen gegen US-Sanktionen auf. Polar LNG weist ein Fehlverhalten zurück und erklärt, alle Aktivitäten stünden im Einklang mit amerikanischem Recht. Das Unternehmen widerspricht zudem Riddles Darstellung seines Ausscheidens und spricht von einer Entlassung. Novatek bestätigte der «New York Times» inzwischen, eine Minderheitsbeteiligung an dem US-Projekt anzustreben. Polar LNG erklärte, beim US-Finanzministerium eine Genehmigung für den Kauf russischer Anlagen beantragt zu haben.
Wie die «Financial Times» berichtet, war bei den amerikanisch-russischen Gesprächen auch eine mögliche Lockerung der Sanktionen gegen das russische Projekt Arctic LNG 2 im Gegenzug für eine Zusammenarbeit in Alaska Thema. Novatek bestreitet jedoch, seine Beteiligung von Sanktionserleichterungen abhängig zu machen. Ob das Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden kann, ist weiterhin offen.