Um 11 Uhr werden an diesem Donnerstag in ganz Deutschland die Warnsysteme getestet. Sirenen heulen auf, Handys schrillen, und über verschiedene Kanäle verbreitet der Staat eine Probewarnung. Grund zur Unruhe gibt es nicht: Es handelt sich um den jährlichen bundesweiten Warntag, mit dem die Behörden überprüfen, ob sie die Bevölkerung im Ernstfall erreichen können.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn koordiniert den Probealarm. «Im Grunde simulieren wir damit einen Ernstfall: Kommt die Warnung an? Und wissen die Menschen, was sie damit anfangen sollen?», erklärt die Behörde. Die Erfahrungen aus dem jährlichen Test seien wertvoll, weil sie zeigten, wo Verbesserungen nötig sind.
Ausgelöst wird die Warnung zentral über das Modulare Warnsystem des Bundes. Dieses öffentliche Warn- und Kommunikationssystem für den Notfall setzt vor allem auf Datenübertragung per Satellit, zur Sicherheit aber auch über Kabel. Daneben können Kommunen eigene Warnkanäle testen.
Verbreitet wird der Alarm über Sirenen, digitale Anzeigetafeln, Apps auf dem Handy, UKW-Rundfunk, Digitalradio und die Technologie Cell Broadcast. Auch Lautsprecherwagen können zum Einsatz kommen, allerdings entscheiden die Kommunen darüber. Ein an- und abschwellender Sirenen-Heulton bedeutet Warnung. Ein heulender Dauerton signalisiert das Ende des Probealarms beziehungsweise im Ernstfall, dass die Gefahr vorbei ist.
Gegen 11.45 Uhr wird eine Entwarnung gesendet. «Für die Bevölkerung ist es ebenso wichtig, zu erfahren, wenn eine Gefahr vorbei ist», betont das BBK. Eine verlässliche Entwarnung stärke das Vertrauen in das System.
Die Teilnahme am Warntag ist freiwillig. Es kann also sein, dass Kommunen zwar über Sirenen verfügen, diese aber nicht auslösen, oder dass es keine Sirene in der Nähe gibt. Im vergangenen Jahr wurden laut BBK 66 Prozent der Menschen in Deutschland über eine Sirene erreicht, ein steigender Anteil. Einen zentralen Überblick über die Zahl der Sirenen gibt es nicht, weil die Länder und Kommunen sie unterhalten. Das BBK kennt rund 48.000 aktive Sirenenstandorte, hinzu kommen mobile Sirenen.
Nach dem Ende des Kalten Krieges hielt man Sirenen vielerorts für unnötig. Inzwischen gibt es ein Umdenken, unter anderem wegen der verheerenden Flut im Ahrtal 2021 und wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Seit 2021 unterstützt der Bund die Errichtung, Reparatur und Modernisierung von Sirenen. Im vergangenen Jahr wurden im Rahmen des Förderprogramms rund 11.868.700 Euro zur Errichtung von Sirenen abgerufen. Im laufenden Jahr wurden bisher rund 4.089.800 Euro in den Ausbau der Sireneninfrastruktur investiert.
Cell Broadcast funktioniert, indem die Warnung an alle dafür vorbereiteten Handys in einer bestimmten Funkzelle geht. Damit werden auch Touristen und andere Menschen mit ausländischen Mobilfunknummern erreicht, die sich gerade in Deutschland aufhalten. Das Verfahren ist laut BBK anonym; Mobilfunknummern oder andere Daten der Empfänger müssen nicht bekannt sein.
In diesem Jahr gibt es Neuerungen: Erstmals werden über Cell Broadcast auch Entwarnungen verschickt. Das funktioniert seit Ende November vergangenen Jahres. Außerdem wird in diesem Jahr auch über das Digitalradionetz DAB+ gewarnt. Der Automatic Safety Alert soll Hörerinnen und Hörer auch dann erreichen, wenn Mobilfunk und Internet nicht funktionieren, und dazu bei Bedarf auch Radios im Standby-Betrieb anschalten. Das System soll ab diesem Monat eingeführt werden.
Um zu ermitteln, wie viele Menschen erreicht werden, führt das BBK Umfragen zum Warntag durch. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 90 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer über mindestens einen Warnkanal erreicht.
Die Menschen können selbst dazu beitragen, Warnungen zu empfangen. Das Handy sollte eingeschaltet sein und sich nicht im Flugmodus befinden. Zudem rät die Bundesregierung, das Betriebssystem aktuell zu halten. Spezielle Warn-Apps wie Nina ermöglichen es, einen Ort anzugeben, für den man Hinweise erhalten möchte – auch zu lokalen Vorfällen wie Bränden.