Das Entwicklerstudio Polyarc stellt die aktive Entwicklung ein. Das Unternehmen, das mit den VR-Abenteuern Moss und Moss: Book II bekannt wurde, bestätigte das Aus über seine LinkedIn-Seite. Die Nachricht kommt nur zwei Monate, nachdem das Studio mit Moss: The Forgotten Relic eine neue Version der beiden Spiele veröffentlicht hatte, die ohne VR-Headset spielbar ist.
Polyarc hatte sich mit der Moss-Reihe einen Namen in der virtuellen Realität gemacht. Die Spiele erzählen die Geschichte der Maus Quill, die in einer liebevoll gestalteten Welt Rätsel löst und Abenteuer besteht. Besonders die erste Veröffentlichung galt als eines der zugänglichsten und charmantesten Beispiele dafür, wie VR-Geschichten funktionieren können. Die Reihe wurde von Kritikern und Spielern gleichermaßen geschätzt und gehörte zu den wenigen VR-Titeln, die auch außerhalb der Nische große Aufmerksamkeit erhielten.
Mit Moss: The Forgotten Relic versuchte das Studio im Juli, die beiden ursprünglichen Teile einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Die neue Fassung kombinierte die Handlung der ersten beiden Spiele und verzichtete auf die VR-Voraussetzung. Damit sollte die Reihe auch auf herkömmlichen Bildschirmen funktionieren. Der Schritt wirkte wie der Versuch, die Marke über die vergleichsweise kleine VR-Community hinaus zu tragen und neue Spielerinnen und Spieler zu gewinnen.
Nur zwei Monate später folgt nun das Ende der aktiven Entwicklung. Das Studio nannte in seiner Mitteilung keine Gründe für die Entscheidung. Auch zur Zukunft der Marke Moss oder zu möglichen Support-Leistungen für bestehende Spiele machte Polyarc keine Angaben. Die Formulierung, man beende die aktive Entwicklung, lässt offen, ob das Unternehmen vollständig schließt oder nur keine neuen Inhalte mehr produziert.
Für die VR-Branche ist die Nachricht ein weiteres Signal, dass sich aufwendig produzierte Studios in diesem Markt schwer tun. VR-Spiele erreichen im Vergleich zu klassischen Konsolen- und PC-Titeln oft deutlich kleinere Zielgruppen. Gleichzeitig sind die Produktionskosten hoch, weil Interaktion, Bewegung und Darstellung für Headsets aufwendig entwickelt werden müssen. Selbst preisgekrönte Reihen wie Moss stehen deshalb vor der Herausforderung, wirtschaftlich tragfähig zu bleiben.
Die Schließung fällt in eine Phase, in der mehrere kleinere und mittlere Studios unter Druck stehen. Der Spielemarkt wird von wenigen großen Publishern und Live-Service-Titeln dominiert, während unabhängige Teams um Sichtbarkeit und Finanzierung kämpfen. Polyarc gehörte zu den Studios, die technisch und erzählerisch Maßstäbe setzten. Dass ausgerechnet dieses Team nun die Entwicklung einstellt, dürfte in der VR-Community für Enttäuschung sorgen.
Ob Moss: The Forgotten Relic weiterhin im Handel erhältlich bleibt und ob es künftig Updates oder technischen Support geben wird, ist derzeit unklar. Fans der Reihe müssen damit rechnen, dass die Geschichte von Quill vorerst nicht fortgesetzt wird. Das Studio selbst hat sich bislang nicht zu möglichen Plänen für die Marke oder zu einem Verkauf der Rechte geäußert.
Die Nachricht zeigt, wie fragil der Markt für VR-Inhalte trotz wachsender Bekanntheit bleibt. Polyarc hatte mit Moss bewiesen, dass VR-Spiele emotional erzählen können. Nun endet die aktive Entwicklung genau in dem Jahr, in dem das Studio versuchte, die Reihe ohne Headset neu zu positionieren. Für viele Beobachter ist das ein herber Rückschlag für die Hoffnung, dass erfolgreiche VR-Titel den Sprung in den Mainstream schaffen.