Xbox-Chefin Asha Sharma hat in einem internen Townhall-Meeting die künftige Ausrichtung der Microsoft-Spielesparte skizziert. Demnach will das Unternehmen weiterhin stark auf seine größten Franchises setzen, gleichzeitig aber deutlich mehr neue Marken entwickeln. «Wir werden nicht überleben, wenn wir nur die Vergangenheit wiederbeleben», sagte Sharma laut einem Bericht von Windows Central. «Wir müssen neue Wege und den Mut finden, neues geistiges Eigentum zu erfinden, das neue Zielgruppen erreicht.»
Sharma formulierte das Ziel, die stärksten Spieleserien zu globalen Milliarden-Franchises auszubauen. «Ich möchte, dass unsere großartigen Spiele großartige globale Milliarden-Franchises werden», so die Xbox-Chefin. Gleichzeitig betonte sie die Notwendigkeit, dauerhaft neue Marken zu etablieren. Dieser Spagat zwischen Bewährtem und Neuem prägt die aktuelle Strategie der Marke.
Das laufende Jahr stand ganz im Zeichen bekannter Xbox-Marken. Forza Horizon, Halo und Gears of War gehörten zu den zentralen Titeln, bevor später in diesem Monat Call of Duty: Modern Warfare 4 erscheint. Für das kommende Jahr sind ein neues Fable sowie Clockwork Revolution von InXile Entertainment angekündigt. Zudem hat Xbox Vereinbarungen mit dem japanischen Entwickler Hideo Kojima geschlossen, um dessen nächste beiden Projekte OD und Physint fertigzustellen.
Die Forderung nach mehr Originalinhalten steht allerdings in einem Spannungsverhältnis zur jüngsten Studio-Politik. Xbox hat sich von mehreren Studios getrennt, die für ungewöhnliche und erzählstarke Spiele bekannt waren, darunter Compulsion Games, Undead Labs und Double Fine. Einige ihrer Titel waren zwar keine großen kommerziellen Erfolge, prägten aber das Profil von Xbox als Plattform für besondere Spielerfahrungen.
Hinzu kommt der wachsende Aufwand für AAA-Produktionen. Große Spiele brauchen immer mehr Zeit und Geld. Die nächsten großen Blizzard-Titel wie StarCraft und Diablo 5 liegen noch Jahre entfernt. Kleinere Veröffentlichungen zwischen diesen Blockbustern gelten daher als wichtiges Mittel, um Spieler bei der Stange zu halten. Call of Duty bildet die Ausnahme: Activision hat mit einem Multi-Studio-System dafür gesorgt, dass jährlich ein neuer Teil erscheint.
Die Branche steht jedoch vor weiteren existenziellen Herausforderungen. Etablierte Live-Service-Spiele binden die Zeit und das Geld der Spieler und erschweren es neuen Titeln, sich durchzusetzen. Gleichzeitig haben die massiven Investitionen in KI die Kosten für Komponenten in die Höhe getrieben, wodurch Konsolen und Gaming-PCs teurer geworden sind als je zuvor. Zuletzt häuften sich Berichte, wonach Nutzer mithilfe von KI Spiele von Grund auf nachbauen und im Browser spielbar machen – eine Entwicklung, die vor wenigen Jahren noch undenkbar schien.
Xbox verfolgt das ehrgeizige Ziel, täglich eine Milliarde Menschen zu unterhalten. Angesichts des harten Wettbewerbs um Aufmerksamkeit und Kaufkraft dürfte dieses Vorhaben eine große Herausforderung bleiben. Ob die angekündigte Mischung aus starken Franchises und neuen Marken den erhofften Erfolg bringt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.