In Sachsen-Anhalt sollen in den kommenden Jahren 22 problematische Brücken ersetzt werden, die in der DDR in Spannbetonbauweise errichtet wurden. Das Infrastrukturministerium in Magdeburg hat dies auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur bestätigt. Die meisten dieser Bauwerke stammen aus den 1970er-Jahren. Eine Sanierung gilt nach Angaben des Ministeriums als wirtschaftlich nicht sinnvoll, weshalb ein Austausch vorgesehen ist.
Die Bauweise ist vergleichbar mit der Carolabrücke in Dresden, die im September 2024 teilweise eingestürzt ist. Einige der betroffenen Brücken tragen oder überqueren Bundesstraßen oder größere Gewässer. Damit besitzen sie für den überregionalen Verkehr erhebliche Bedeutung. Für die Planung und Umsetzung ist Infrastrukturministerin Lydia Hüskens (FDP) verantwortlich, die das Ressort an der Spitze führt.
Zwei der Ersatzprojekte befinden sich bereits im Bau. Bei der Brücke über die Mulde bei Pouch an der B100 laufen Abriss und Neubau. Für dieses Vorhaben sind 53 Millionen Euro veranschlagt, was mehr als die Hälfte der insgesamt eingeplanten Summe ausmacht. Auch an der Brücke Geestgottberg-Aland an der B189 wird gebaut. Sie steht im Zusammenhang mit dem Lückenschluss der Autobahn A14, der die Verkehrsanbindung in der Region verbessern soll. Weitere Ersatzneubauten sollen innerhalb der nächsten vier Jahre beginnen.
Auch im Magdeburger Stadtverkehr sind Eingriffe nötig. Zwei Brücken des Magdeburger Rings wurden bereits abgerissen, seither läuft der Verkehr teilweise über Behelfsbrücken. Auf der stark befahrenen Ringstraße führt dies zu spürbaren Einschränkungen für Pendler und Lieferverkehr. Die Erneuerung der Brücke an der Osterweddinger Chaussee soll frühestens Ende 2028 beginnen, sodass die Beeinträchtigungen noch längere Zeit andauern dürften.
Die Ursache der Problematik liegt im Spannstahl, der bei diesen Bauwerken verwendet wurde. Das Ministerium hat dazu Proben in fünf Fällen untersuchen lassen. Dabei wurde an einer Eisenbahnbrücke über die L51 in Schönebeck eine beginnende Spannungsrisskorrosion festgestellt. Solche Korrosion gilt als Ursache für den Teileinsturz der Carolabrücke in Dresden, was den Handlungsdruck im Land deutlich erhöht.
Nach Angaben des Ministeriums besteht bei keinem der 22 Bauwerke eine akute Gefahr. Die meisten Brücken sind weiterhin nutzbar, ohne dass für den öffentlichen Verkehr größere Einschränkungen gelten. Bis zum Ersatzneubau wird der Zustand der Bauwerke jedoch intensiv überwacht, um frühzeitig auf Veränderungen reagieren zu können.
Für aktuelle und geplante Ersatzmaßnahmen stellt das Land insgesamt 85 Millionen Euro bereit. Nicht enthalten sind kommunale Projekte, etwa der Neubau am Magdeburger Ring oder die problematischen Brücken am Riebeckplatz in Halle, die in der Verantwortung der jeweiligen Städte liegen. Damit bleibt die Finanzierung der Infrastruktur auf Landesebene und in den Kommunen getrennt organisiert.