US-Präsident Donald Trump hat einen „sehr großen Deal“ mit Russland in Aussicht gestellt, der nach seinen Worten Auswirkungen auf ganz Europa haben könnte. Zugleich blieb er den Inhalt der Gespräche schuldig, die er nach eigenen Angaben mit dem Unterhändler des Kremls, Kirill Dmitriew, in Washington geführt hat. Ein Treffen mit einer ukrainischen Delegation erwähnte Trump nicht.
Parallel dazu berichtete Jared Kushner, der Schwiegersohn Trumps und ebenfalls in die Vermittlungsbemühungen eingebunden, von Gesprächen in Brüssel mit Vertretern der Ukraine, der NATO und europäischen Partnern. Kushner verwies dabei auf Sicherheitsgarantien und auf die größere europäische Sicherheitsarchitektur, die im Zentrum der Verhandlungen stehe. Konkrete Ergebnisse nannte auch er nicht. Die Äußerungen zeigen, dass die Vermittlung inzwischen über mehrere Kanäle läuft, die Washington, Moskau, Kiew und die europäischen Hauptstädte zugleich einbeziehen.
Für die kommende Woche ist nach den vorliegenden Angaben eine trilaterale Gesprächsrunde zwischen den USA, Russland und der Ukraine in Abu Dhabi geplant. Die letzte dreiseitige Runde hatte im Februar in Genf stattgefunden; zwei frühere Treffen fanden ebenfalls in Abu Dhabi statt. Die Vereinigten Staaten sehen sich dabei als Vermittler und nicht als Konfliktpartei. Einen Durchbruch hat es bislang nicht gegeben, und die Verhandlungen haben sich bisher in wiederholten Terminen ohne greifbare Einigung erschöpft.
Trumps Annäherung an Moskau hatte im Inland bereits Kritik ausgelöst. Politische Gegner werfen ihm vor, die Position der Ukraine zu schwächen, während er selbst auf schnelle Ergebnisse drängt. Auch die jüngsten Ankündigungen dürften diese Debatte weiter anfachen, da sie ohne nähere Angaben zur Substanz erfolgen. Trump kündigte zudem an, in Kürze über den Iran zu entscheiden, ein Thema, das die außenpolitische Agenda seiner Regierung parallel beschäftigt.
Auch Melania Trump war in die Kontakte eingebunden. Sie empfing nach den vorliegenden Informationen Dmitriew sowie die ukrainischen Abgeordneten David Arachamija und Dmytro Lubinez. Zudem vermittelte sie eine begrenzte Waffenruhe in der besetzten Stadt Oleschky, die vergangene Woche von Dienstag bis Sonntagabend galt. Der Schritt zeigt, dass humanitäre Vereinbarungen auch abseits der großen politischen Verhandlungen angestrebt werden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte sich unterdessen im deutschen Fernsehen bei Jan Böhmermann und sagte, der Ausgang der US-Wahl könnte der Ukraine helfen. Der Krieg in der Ukraine dauert inzwischen über viereinhalb Jahre an, eine Friedenslösung ist bislang nicht in Sicht. Ob der angekündigte Deal tatsächlich eine Wende bringt, lässt sich auf Grundlage der bisher veröffentlichten Aussagen nicht beurteilen.