Die US-Rapperin JT hat sich in der Modewelt einen Namen gemacht, und nun steht sie im Mittelpunkt der ersten Kampagne des neuen Off-White-Sublabels L/AB c/o Off-White. Das Label ist als günstigere, streetwear-orientierte Linie des Luxushauses angelegt. An ihrer Seite posieren unter anderem Glaive, PZ, Vivian Jenna Wilson, Mazzy Joya, Julez Smith und Jay Guapõ. Für JT ist das Engagement eine Art Vollendung: Sie sei schon lange ein Fan der Marke, erzählt sie im Gespräch mit dem Modemagazin Fashionista.
Gedreht wurde in Berlin, und das war für die Musikerin eine Premiere. «Es war so ein aufregendes Projekt, vor allem weil wir in Berlin gedreht haben», sagt sie. «Das war mein allererstes Mal in Berlin.» Das Off-White-Team habe den Dreh zu etwas Magischem gemacht. Die Kampagne steht unter dem Motto Freiheit und Individualität, und JT passt das gut: Sie beschreibt ihren persönlichen Stil als wandelbar und tagesformabhängig. «Mein persönlicher Stil hängt buchstäblich davon ab, wie ich mich fühle, wenn ich aufwache», erklärt sie. An manchen Tagen greife sie zu einem schlichten Trainingsanzug, an anderen trage sie Designerkleidung von Kopf bis Fuß. «Manchmal kaufe ich Sachen, die ich nicht mal anziehe», sagt sie lachend.
Die gebürtige Miami-Amerikanerin blickt auf eine Entwicklung zurück. Früher habe sie geglaubt, alles, was sie trage, müsse von einem Designer sein. «Miami-Frauen sind die schicksten Frauen der Welt, aber wir sind so verdammt designerverliebt», sagt sie. Heute sehe sie das anders: «Ich kann aus allem Mode machen, während ich früher dachte, jedes Teil müsse ein Label haben.» Diese Haltung zeigt sich auch bei ihren Auftritten. Auf der Bühne wähle sie bequemere Outfits, weil sie sich vor ihren Fans nicht verstellen müsse. «Bei meinen Fans weiß ich, ich könnte in einem weißen T-Shirt rausgehen, und sie akzeptieren mich, wie ich bin», sagt sie. Bei roten Teppichen und Streetstyle-Auftritten sei sie dagegen selbstkritischer: «Ich mache mir Sorgen, ob ich groß oder klein wirke, ob ich kurz oder lang aussehe, und ich stelle sicher, dass nichts in meinen Zähnen steckt.»
Ihre jüngsten Auftritte bei der Paris Fashion Week im September haben bei ihr einen bleibenden Eindruck hinterlassen. JT saß in der ersten Reihe bei den Schiaparelli- und Chanel-Schauen für die Frühjahrskollektion 2027. Bei Schiaparelli trug sie ein maßgeschneidertes, skulpturales, durchsichtiges schwarzes Kleid mit sternförmigen Nippelabdeckungen. Bei Chanel entschied sie sich für ein dezenteres schwarzes Strick-Set. «Es war so eine gute Woche für mich, weil ich gute Zähne hatte, denn ich konnte nicht aufhören zu lächeln», sagt sie über die Fashion Week. «Ich bin immer noch auf diesem Höhenflug. Ich kann nicht aufhören, mir die Bilder von mir anzusehen. Ich habe es perfekt hinbekommen.»
Die Frage, ob sie nun ein «Fashion It Girl» sei, lässt sie kalt. «Ich sehe mich einfach als JT», sagt sie. «Ich weiß nicht, warum alles so einen Begriff haben muss. Ich glaube, das steckt Leute immer in Schubladen.» Wenn man sie so nennen wolle, sei das in Ordnung; wenn nicht, bleibe sie trotzdem JT. Wichtig sei ihr vor allem, dass ihre Mode eine Botschaft vermittelt: dass es in Ordnung ist, unverblümt man selbst zu sein. «Ich bin niemandes Regeln gefolgt», sagt sie. Für die Kampagne zeigt sie sich überzeugt, dass der verstorbene Off-White-Gründer Virgil Abloh sie gemocht hätte. «Ich hätte das nie gemacht, wenn ich dachte: Nein, dieser Mann würde mich für peinlich halten», sagt sie. «Aber ich glaube, er hätte mich zu hundert Prozent gefeiert.»