Microsofts Gaming-Sparte Xbox könnte einem Bericht zufolge einen Wert von bis zu 150 Milliarden Dollar haben. Mehrere Private-Equity-Firmen hätten demnach einen möglichen Kauf geprüft und diese Summe als Obergrenze genannt. Das berichtet das US-Magazin The Information. Konkrete Verhandlungen mit Microsoft habe es jedoch nicht gegeben, die Unternehmen hätten lediglich Optionen ausgelotet.
Die berichtete Bewertung liegt deutlich über früheren Schätzungen für das Geschäft mit Konsolen, Spielen und dem Abo-Dienst Game Pass. Ein Verkauf der Sparte wäre einer der größten Deals in der Geschichte der Unterhaltungsindustrie. Microsoft hat über 25 Jahre hinweg Milliarden in sein Gaming-Geschäft investiert, unter anderem durch die Übernahme von Studios und des Publishers Activision Blizzard.
Die Gerüchte um einen möglichen Verkauf oder eine Abspaltung von Xbox kursieren seit Monaten. Das Wirtschaftsmagazin Fortune hatte zuletzt berichtet, dass intern mehrere Szenarien geprüft werden, darunter ein Verkauf, eine Ausgliederung, eine Beteiligung von außen oder die Umwandlung in eine Tochtergesellschaft. Eine entsprechende Präsentation soll nach dem Amtsantritt von Asha Sharma als Xbox-Chefin erstellt worden sein.
Sharma selbst hat einen Verkauf der Sparte in der Vergangenheit ausdrücklich ausgeschlossen. «Xbox steht nicht zum Verkauf», sagte sie laut dem Bericht. Man werde alles tun, um das Unternehmen für Erfolg aufzustellen, und dabei die richtigen Partnerschaften und das richtige Betriebsmodell prüfen. Ob diese Aussage angesichts der neuen Bewertung Bestand hat, ist offen.
Der finanzielle Druck auf die Sparte ist indes groß. Microsoft-Chef Satya Nadella hatte in diesem Jahr angemerkt, dass Xbox stärker zum Unternehmensergebnis beitragen müsse. Die Gewinnmarge liege bei nur rund drei Prozent, was angesichts der hohen Investitionen als unbefriedigend gilt. Seit Sharma die Führung übernommen hat, durchläuft Xbox einen «Reset», der die Sparte wieder profitabel machen soll.
Dieser Kurs hat bereits spürbare Folgen. Mehrere Abteilungen wurden umfassend umgebaut, es kam zu Entlassungen, und weitere sollen folgen. Auch mehrere Studios haben das Xbox-Portfolio verlassen. Gleichzeitig verfolgt Sharma das Ziel, die Reichweite von Xbox weltweit deutlich auszubauen. Dafür wurden zuletzt neue Einheiten gegründet: Xbox XP soll sich vor allem um Nicht-Spiel-Projekte wie Multimedia-Inhalte kümmern, Xbox Labs scheint auf neue Formen von Web-Angeboten zu reagieren.
Auch die nächste Xbox-Konsole könnte teurer werden als bisherige Modelle. Laut dem Bericht sind Preise von bis zu 1.800 Dollar denkbar, je nachdem, ob Microsoft einen Teil der Kosten subventioniert. Eine solche Preisgestaltung würde die Position der Marke im Konsolenmarkt verändern und könnte die Diskussion um die Zukunft der Sparte weiter anheizen.
Für junge Gamerinnen und Gamer bleibt die entscheidende Frage, was ein möglicher Eigentümerwechsel für Spiele, Abos und Studios bedeuten würde. Private-Equity-Investoren gelten in der Branche oft als renditeorientiert, was bei Fans Sorgen um kreative Freiheit und langfristige Investitionen auslöst. Offiziell bestätigt ist bislang nichts – weder ein Verkaufsprozess noch ein konkreter Interessent.