Susan Collins gilt als seltene Gegenstimme zu Donald Trump und der MAGA-Bewegung. Nun kämpft die republikanische Senatorin aus Maine um ihre sechste Amtszeit im US-Senat. Das knappe Rennen hat weit über den kleinen Bundesstaat hinaus Bedeutung, denn Maine könnte mit darüber entscheiden, ob die Republikaner ihre Mehrheit in der zweiten Parlamentskammer in Washington behalten.
Die 73-Jährige will bei den Kongresswahlen Anfang November erneut für Maine in den Senat einziehen. Dass sie ihren Sitz verteidigen kann, ist keineswegs sicher. Mit dem Bundesstaat im äußersten Nordosten der USA, der rund 1,4 Millionen Einwohner zählt, steht eine Wahl im Mittelpunkt, deren Ausgang die Machtverhältnisse in Washington beeinflussen dürfte. Ein Sieg der Demokraten im Senat würde Trumps Spielraum deutlich einschränken.
Maine gilt bei Präsidentschaftswahlen als demokratisch orientiert, und seit den 1990er Jahren hat dort stets der demokratische Kandidat gewonnen. Im Senat vertritt seit 1997 jedoch die Republikanerin Susan Collins den Bundesstaat, und bislang konnte sie ihren Sitz stets verteidigen. Dazu tragen zwei Faktoren bei: Collins ist tief im ländlich geprägten Maine verwurzelt, und ihre Familie hat eine lange Tradition in der Kommunalpolitik. Ihre Eltern waren beide Bürgermeister in Caribou an der Grenze zu Kanada. Die Senatorin stellt sich gern als bodenständige Politikerin dar, die früher auf einem Kartoffelfeld mitgeholfen hat.
Heimatverbundenheit allein reicht jedoch nicht aus, um in dem verhältnismäßig liberalen Maine als Republikanerin zu gewinnen. Collins gilt als moderat und hat sich in den vergangenen Jahren als Gegenspielerin von Trump profiliert. Mehrfach stellte sie sich gegen ihn, was unter Republikanern selten ist. So stimmte sie gegen die von Trump angestrebte Abschaffung von Barack Obamas Gesundheitsreform »Obamacare«, also gegen die eigene Partei. Nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 votierte sie im Amtsenthebungsverfahren der Demokraten für eine Verurteilung Trumps. Bei der Präsidentschaftswahl 2024 stimmte Collins nicht für Trump, sondern schrieb den Namen seiner früheren innerparteilichen Rivalin Nikki Haley auf den Stimmzettel.
Trump hat aus seiner Ablehnung keinen Hehl gemacht. Er bezeichnete Collins als »Desaster« und zählte sie zusammen mit anderen abweichenden Republikanern zu den »Verlierern« seiner Partei. Ausgerechnet sein schlechter Ruf könnte der Senatorin nun bei der Wiederwahl schaden. Gleichzeitig ist Trump auf ihren Sieg angewiesen, denn er braucht eine republikanische Mehrheit im Senat, um seine Politik durchzusetzen und die Demokraten im Fall eines Sieges im Repräsentantenhaus zumindest ausbremsen zu können.
In Umfragen liegt Collins mit ihrem demokratischen Herausforderer Troy Jackson ungefähr gleichauf. Jackson ist kurzfristig eingesprungen, nachdem der einstige linke Hoffnungsträger der Demokraten, Graham Platner, vor einigen Monaten aus dem Rennen ausscheiden musste. Platners Wahlkampf war von früheren Partnerinnen überschattet worden, die ihm sexuelle Übergriffe vorwarfen. Platner wies dies zurück, doch prominente Demokraten stellten sich gegen den Austernzüchter und Politneuling, sodass er nicht mehr zu halten war.
Der 58-jährige Jackson gehört dagegen zum politischen Establishment. Er saß lange im Senat von Maine, zuletzt als Senatspräsident. Viele Demokraten hatten zunächst befürchtet, dass mit dem Rückzug Platners jede Chance auf einen Sieg über Collins verloren sei, die seit 30 Jahren den Senatssitz hält. Nun liegt Jackson in Umfragen nicht mehr deutlich hinter Collins, entschieden ist das Rennen jedoch noch nicht.
Collins ist die dienstälteste Republikanerin in der Geschichte des Senats und nach wie vor relativ populär in Maine. Bei der Senatswahl 2020 gewann sie mit neun Punkten Vorsprung gegen ihre demokratische Konkurrentin, obwohl der damalige demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden den Bundesstaat deutlich vor Trump gewann. Das zeigt, wie sehr sich Collins unabhängig von ihrer Partei als Politikerin etabliert hat. Zuletzt setzte sie sich dafür ein, Produkte für Maines Landwirtschaft von Zöllen auszunehmen. Das Weiße Haus kündigte daraufhin an, bestimmte kanadische Waren von den 50-prozentigen Zöllen auszunehmen, darunter Verpackungen und Ausrüstung für die Heidelbeer- und Kartoffelwirtschaft. Dieser Schritt kommt auch Collins zugute und zeigt, wie sehr Trump trotz seiner Abneigung auf die Senatorin angewiesen ist.