Die neu gegründete AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland ist auf ihrem zweiten Bundeskongress in Magdeburg mit dem Versuch gescheitert, die Partei von ihrer Forderung nach einem Euro-Austritt abzubringen. Der Bundesvorstand um den Jugendchef Jean-Pascal Hohm hatte einen Antrag vorbereitet, der ein Bekenntnis zum Euro und zur wirtschaftlichen Einheit Europas enthalten sollte. Das Papier sah vor, den Euro trotz erheblicher Konstruktionsmängel zu erhalten und lediglich Reformvorschläge zu unterstützen, die Stabilität schaffen – ausdrücklich ohne die wirtschaftliche Einheit Europas aufzugeben.
Der Vorstoß galt als strategisch weitreichendes Signal, das aus der Jugend heraus in die Mutterpartei hätte wirken können. In der AfD ist die Ablehnung des Euro ein Kernthema: Das Grundsatzprogramm von 2016 fordert, das Experiment Euro geordnet zu beenden, und auch im Programm zur Bundestagswahl 2025 hält die Partei an einem Austritt aus dem Euro-System fest. Hohm wollte diese Position überwinden, weil sie sich für die Partei zunehmend als Falle erweist – Handelsvorteile würden wegbrechen, enorme Kosten und womöglich eine Banken- und Wirtschaftskrise drohen. CSU-Chef Markus Söder hatte die Forderung zuletzt als „Wirtschaftsschredderprogramm“ bezeichnet.
Der Kongress im Alten Theater in Magdeburg zeigte jedoch, wie stark die Ablehnung des Euro auch in der Parteijugend weiterhin verankert ist. Gegen den Antrag des Bundesvorstands wurde ein Gegenantrag eingebracht, der die „Abwicklung des identitätszersetzenden Euros“ forderte. Damit scheiterte Hohm an der eigenen Basis wie an Vertretern der Mutterpartei, die den Kurs der Jugendorganisation nicht mittragen wollten.
Bereits die Auftaktrede von Martin Reichardt, Landeschef der AfD in Sachsen-Anhalt, hatte die strategischen Ambitionen Hohms konterkariert. Reichardt bezeichnete den Staat als „nach Dope stinkenden, faulen Asi“ und die Muttersprache als „aufgedunsenes, intersektional-feministisches Flittchen“. Für diese Wortwahl erhielt er von AfD-Politikern wie Dennis Hohloch und dem Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, ausdrückliches Lob – ein Zeichen dafür, dass der von der Parteiführung angestrebte Professionalisierungskurs an der Basis nicht überall trägt.
Die AfD-Jugend hatte zu dem Kongress auch Vertreter von Jugendorganisationen aus ganz Europa eingeladen, deren Reden im Kontrast zu Reichardts Auftritt standen. Hohm selbst forderte in seiner Rede, Deutschland müsse das Land der Deutschen bleiben, und sprach sich für „Remigration“ aus. Die Partei arbeitet derzeit an einem neuen Grundsatzprogramm, das im nächsten Jahr verabschiedet werden soll. Ob die Forderung nach dem Euro-Austritt darin erneut auftauchen wird, ist unklar – der gescheiterte Vorstoß der Jugendorganisation zeigt jedoch, dass die Frage die Partei weiterhin spaltet.