Microsoft-CEO Satya Nadella hat die jüngsten Sparmaßnahmen und Studio-Schließungen bei Xbox als notwendigen Schritt verteidigt. In einem Auftritt im Sources Podcast sagte Nadella, es sei «großartig zu sehen», wie Xbox-Chefin Asha Sharma das Team verschlanke. Man habe «ein fantastisches Gefühl» für die vorhandenen Marken und Studios und sei zuversichtlich, daraus künftig großartige Spiele zu machen.
Die Äußerungen fallen in eine unruhige Phase für die Gaming-Sparte des Konzerns. Bereits im Sommer hatte Xbox 1.600 Mitarbeiter entlassen, in dieser Woche folgten weitere Stellenstreichungen und die Schließung von Studios. Nadella betonte, man müsse «das richtige nachhaltige Geschäftsmodell erfinden», um Gaming mehr Menschen zugänglich zu machen. Kritiker wie der bekannte KI-Skeptiker Ed Zitron führen die prekäre Lage von Xbox dagegen auf «katastrophales Missmanagement» und gescheiterte KI-Wetten zurück. Hinweise auf weitere Kürzungen bei Xbox verdichten sich.
Abseits des Gaming-Geschäfts äußerte sich Nadella ausführlich zur KI-Debatte. Er verwies auf eine Gallup-Umfrage, wonach die Stimmung gegenüber KI im Westen schlecht sei, während sie in anderen Weltregionen deutlich optimistischer ausfalle. «Warum sind die Menschen in Nigeria optimistischer gegenüber KI als in den Vereinigten Staaten?», fragte Nadella und forderte die Branche auf, Vertrauen zu verdienen und den Nutzen für Verbraucher, Unternehmen und Gemeinschaften aufzuzeigen. Reines Feiern der Technologie funktioniere nicht.
Die Skepsis im Westen hat auch mit Microsofts eigener Produktstrategie zu tun. Vor rund zwei Jahren führte der Konzern Copilot+ ein, um KI-PCs in den Mainstream zu bringen. Auf dem Qualcomm Summit in Hawaii präsentierte Microsoft nun neue Surface-Geräte, bei denen die Copilot+-Kennzeichnung fehlte. Surface-CVP Brett Ostrum erklärte, die Geräte erfüllten zwar weiterhin die Anforderungen an KI-Leistung, würden aber nicht mehr als Copilot+-PCs bezeichnet. Die Marke war von Anfang an umstritten, unter anderem wegen der Copilot-Taste auf Tastaturen und der Recall-Funktion, die kontinuierlich Screenshots anfertigt.
Nadella bleibt dem KI-Kurs treu. Auf X schrieb er, man baue Copilot «als neues Betriebssystem für die Arbeit, das jedes Modell, jede Geräteform und jede Aufgabe abdeckt». Die Hardware-Initiative Copilot+ ist damit faktisch beendet, der KI-Vorstoß geht weiter. Für Xbox bedeutet das jedoch nicht, dass KI den Studios aufgezwungen wird. Xbox-Chefin Asha Sharma versicherte im Februar, Microsoft werde keine Studios zur Nutzung der Technologie verpflichten. Dennoch reicht der Konzern weiterhin Patente ein, die KI etwa für Werbung mitten im Spiel oder zum automatischen Spielen einsetzen könnten.
Für junge Gamerinnen und Gamer bleibt die Lage angespannt. Die Entlassungswelle und Studio-Schließungen treffen eine Community, die ohnehin mit steigenden Preisen und unsicheren Veröffentlichungsplänen zu kämpfen hat. Nadellas Optimismus mag intern als Signal der Stabilität gedacht sein, doch ob er die verbliebene Goodwill bei den Fans retten kann, ist fraglich. Die nächsten Monate werden zeigen, ob Xbox die versprochene nachhaltige Strategie liefern kann – oder ob weitere Kürzungen folgen.