Die USA haben zehn Unternehmen in China, Hongkong, Pakistan, Saudi-Arabien und der Türkei mit Sanktionen belegt. Nach Angaben aus Washington sollen die Firmen als Lieferanten von Komponenten für iranische Waffen und Drohnen fungiert haben. Die Maßnahme ergänzt die bestehenden Sanktionen, die sich direkt gegen den Iran richten, und nimmt nun verstärkt die internationalen Zulieferer ins Visier.
Die Sanktionen treffen damit erstmals in größerem Umfang Firmen in Staaten, die nicht zu den klassischen Verbündeten Teherans zählen. Besonders brisant ist die Nennung von Unternehmen in China und Saudi-Arabien. Beide Länder unterhalten komplexe Beziehungen zu Washington: China ist ein wichtiger Handelspartner der USA, Saudi-Arabien ein langjähriger Sicherheitspartner in der Region. Die Türkei ist NATO-Mitglied, pflegt aber eigenständige wirtschaftliche Kontakte zum Iran.
Nach Einschätzung von Beobachtern zielt die Maßnahme darauf ab, die Beschaffungsnetzwerke Teherans empfindlich zu stören. Der Iran ist seit Jahren internationalen Sanktionen ausgesetzt, die seine Rüstungs- und Drohnenprogramme einschränken sollen. Um diese Beschränkungen zu umgehen, nutzt Teheran nach US-Darstellung ein Geflecht aus Zwischenhändlern und Briefkastenfirmen in verschiedenen Ländern. Die nun sanktionierten Unternehmen sollen in diesem System eine Schlüsselrolle spielen.
Die Sanktionen bedeuten für die betroffenen Firmen in der Regel den Ausschluss vom US-Finanzsystem und ein Einreiseverbot für leitende Mitarbeiter. Zudem können US-Behörden Strafmaßnahmen gegen Geschäftspartner verhängen, die weiterhin mit den gelisteten Unternehmen zusammenarbeiten. Washington hofft, dadurch Druck auf die Eigentümer und Geschäftsführer auszuüben und Lieferketten auszutrocknen.
Die Maßnahme fällt in eine Phase erhöhter Spannungen im Nahen Osten. Der Iran hatte zuletzt damit gedroht, den Luftverkehr in der Region einzuschränken. Beobachter werten dies als Reaktion auf den wachsenden militärischen und wirtschaftlichen Druck. Zugleich zeigt der Fall der iranischen Fluggesellschaften, wie schwer sich Sanktionen in der Praxis durchsetzen lassen: Mehrere iranische Airlines fliegen weiterhin Ziele in der Türkei an, obwohl US-Sanktionen dies eigentlich verhindern sollen.
Für die betroffenen Staaten birgt die US-Liste diplomatischen Zündstoff. China und die Türkei haben in der Vergangenheit wiederholt Kritik an einseitigen amerikanischen Sanktionen geübt. Saudi-Arabien dürfte die Nennung seiner Firmen als unangenehm empfinden, da das Königreich seine Beziehungen zu Washington derzeit ohnehin neu austariert. Ob die betroffenen Regierungen gegen die Unternehmen vorgehen, ist offen.
Die USA setzen mit der Entscheidung ihre Strategie fort, nicht nur den Iran selbst, sondern auch dessen Unterstützernetzwerk ins Visier zu nehmen. Ob die Sanktionen die Beschaffung wirksam unterbinden, hängt maßgeblich davon ab, ob die betroffenen Firmen alternative Absatzwege finden und ob Drittstaaten bereit sind, die US-Maßnahmen mitzutragen. In der Vergangenheit haben Sanktionen den Iran zwar wirtschaftlich unter Druck gesetzt, seine Rüstungsprogramme aber nicht vollständig gestoppt.