Ein Technikredakteur hat nach rund zehn Wochen Wartezeit eine Steam Machine von Valve gekauft – obwohl er eigentlich gar nicht vorhatte, das Gerät zu erwerben. Der Grund für den späten Sinneswandel liegt weniger in einem akuten Bedarf als in der Unzufriedenheit mit der aktuellen Konsolengeneration. Wer eine Steam Machine kaufen will, muss sich zunächst auf eine Warteliste setzen lassen. Nach dem Erhalt der Kauf-E-Mail bleiben nur drei Tage, um die Bestellung abzuschließen – sonst verfällt der Platz.
Der Autor hatte sich für das Modell mit 512 GB Speicher und einem Steam Controller entschieden und die Anmeldung schnell wieder vergessen. Als die E-Mail eintraf, war die Skepsis zunächst groß: Der Preis sei hoch, und Spiele ließen sich auch auf PS5, Xbox Series X oder Switch 2 spielen. Zudem hing bereits eine docked Steam Deck per Kabel am Fernseher. Dennoch beobachtete er in den drei Tagen Reviews und Vor- und Nachteile – und bestellte schließlich wenige Stunden vor Ablauf der Frist.
Im Alltag überzeugt die Steam Machine vor allem durch ihre Bibliothek. Der Autor hatte seit dem Kauf des Steam Deck im Jahr 2022 eine große Sammlung an PC-Spielen angesammelt. Leistungshungrige Titel liefen auf dem docked Steam Deck am TV jedoch nicht immer gut oder schön. Die Steam Machine löst dieses Problem: Sie ist zwar nicht leistungsstärker als die anderen Konsolen, spielt die PC-Bibliothek aber sauber auf einem 4K-Fernseher ab. Titel wie The Witcher 3 Remastered, The Order of the Sinking Star und ARC Raiders laufen dem Bericht zufolge problemlos – auch wechselnd zwischen Geräten.
Ein anfängliches Problem betraf ältere Spiele ohne Steam-Cloud-Speicher. Fortschritte vom Steam Deck ließen sich dort nicht einfach übernehmen. Nach dem Download einiger neuerer Titel verschwand diese Hürde jedoch. Besonders positiv fällt der neue Steam Controller auf: Er habe den zuvor bevorzugten Xbox-Controller abgelöst und sei sofort zum Lieblingscontroller geworden.
Die Kaufentscheidung ist auch eine Abrechnung mit Sony und Microsoft. Der Autor nennt wenige herausragende First-Party-Spiele, Entlassungen, geschlossene oder abgestoßene Studios sowie monatliche Gebühren für Online-Spiele. Besonders die Ankündigung von Sony, ab Januar 2028 keine Discs mehr zu produzieren, habe viele Fans verärgert. Valve wird dagegen als vergleichsweise kundenfreundlich beschrieben – nicht perfekt, aber deutlich näher an den Interessen der Spieler.
Die Konsequenz für die Zukunft ist persönlich, aber deutlich: Hardware von Sony und Microsoft könnte für den Autor künftig eine geringere Rolle spielen. Die meisten Spiele will er auf Steam Machine und Steam Deck nutzen, Nintendo-Titel weiterhin auf der Switch 2. Eine PS6 käme für ihn aller Voraussicht nach nicht zum Start in Frage. Die Steam Machine sei teuer und nicht für alle geeignet – aber für Spieler mit großer PC-Bibliothek und dem Wunsch nach Konsolenkomfort könne sie genau das richtige Gerät sein.
Der Bericht zeigt damit ein Muster, das für den Markt relevant ist: Valve verbindet mit SteamOS die Bequemlichkeit einer Konsole mit der Offenheit eines PCs. Für junge Spielerinnen und Spieler, die ihre Bibliothek über Jahre aufgebaut haben, kann das attraktiver sein als ein weiteres geschlossenes System. Ob die Steam Machine zum Massenprodukt wird, bleibt offen. Der Autor beschreibt sie ausdrücklich nicht als Gerät für alle. Doch die Kombination aus vorhandener Sammlung, Abwärtskompatibilität und Emulation älterer Konsolen macht sie für eine bestimmte Gruppe besonders interessant.