Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat dazu aufgerufen, Unrecht offen beim Namen zu nennen – auch dann, wenn dafür Mut nötig ist. Bei der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Würzburg sprach er sich dafür aus, sich nicht darauf zu verlassen, dass andere zuerst handeln. Wer Zeuge von Diskriminierung werde, solle einschreiten.
Schuster nannte konkrete Beispiele aus dem Alltag. So erwähnte er Lehrkräfte, die eingreifen, wenn Schülerinnen und Schüler einander rassistisch beleidigen. Ebenso wichtig sei es, Antisemitismus im Freundeskreis, unter Kolleginnen und Kollegen oder in Vereinen zu widersprechen. Er warnte davor, dass viele Menschen zögerten, weil sie Kolleginnen oder Kollegen nicht bloßstellen wollten oder befürchteten, im Familienkreis einen Streit auszulösen.
Als Beispiele für Äußerungen, gegen die man vorgehen solle, nannte Schuster antisemitische Witze sowie herabwürdigende Bemerkungen über Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts. Gerade im Kleinen beginne Ausgrenzung, und genau dort entscheide sich, ob eine Gesellschaft Grenzen zieht.
Die Rede stand im Zusammenhang mit dem Synodenthema, das die Kirche als Werkstatt der Demokratiebildung in den Blick nimmt. Der Synode gehe es darum, wie Gemeinden und kirchliche Einrichtungen demokratische Haltungen einüben und vermitteln können. Schusters Appell fügt sich in diese Fragestellung ein: Demokratie lebe davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen und Widerspruch nicht scheuen.
Erwartet wird zudem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als Gast am Dienstag. Die Synode läuft bis Mittwoch und umfasst Gesprächsforen sowie Arbeitsgruppen. Die Synode gilt als das Parlament der evangelischen Kirche; sie ist für die Gesetzgebung und die grundsätzlichen Entscheidungen der EKD zuständig, der knapp 17,4 Millionen Mitglieder angehören.
Die nächste Synode wird in neuer Form im April 2027 zusammentreten. Synodenpräsidentin Anna-Nicole Heinrich tritt nach sechs Jahren nicht wieder an. Als mögliche Nachfolge wird der parteilose frühere Verkehrsminister Volker Wissing genannt. Die Entscheidung über die Leitung steht damit noch aus.