Kurz vor den US-Kongresswahlen gerät die oppositionelle Demokratische Partei im wichtigen Bundesstaat Michigan in einen offenen Streit. Die demokratische Abgeordnete Haley Stevens, die in einer Vorwahl für den Senat dem linksgerichteten Parteikollegen Abdul El-Sayed unterlegen war, stellte sich am Sonntag hinter den republikanischen Senatskandidaten Mike Rogers. Rogers tritt für die Partei von Präsident Donald Trump an.
Stevens begründete ihre Entscheidung gegenüber Journalisten mit deutlichen Worten: „Wir alle wissen, dass das eine sehr enge Wahl ist“, sagte sie. „Aber Abdul hat sehr deutlich gemacht, dass ich in seinem Wahlkampf nicht willkommen bin.“ Sie sprach Rogers daraufhin ihre Unterstützung aus. Damit stellt sich eine Politikerin ihrer eigenen Partei öffentlich gegen den Kandidaten, den die Demokraten im Bundesstaat in den Senat bringen wollen.
El-Sayed zeigte sich von dem Schritt der Parteikollegin wenig beeindruckt. Er sagte, er denke nicht an Stevens, sondern an die knapp zehn Millionen Menschen in Michigan, die weder sie noch Rogers seien. Mit dieser Formulierung stellte er die Wählerinnen und Wähler des Bundesstaats in den Mittelpunkt seiner Argumentation und machte deutlich, dass er den innerparteilichen Konflikt nicht weiter vertiefen will.
Auch auf Bundesebene sorgte die Entscheidung für heftige Reaktionen. Der Minderheitsführer der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer, warf Stevens einen „verachtenswerten Verrat“ vor. Präsident Trump reagierte dagegen mit Lob. Er erklärte, Stevens habe „Mut“ bewiesen. Trump selbst hatte El-Sayed zuvor als „Dschihadisten“ beschimpft. Dass der Präsident eine Demokratin lobt, die einen Kandidaten der Demokraten öffentlich ablehnt, zeigt, wie sehr der Streit über die Parteigrenzen hinaus beobachtet wird.
El-Sayed hatte sich im August in einer bitter umkämpften Vorwahl gegen Stevens durchgesetzt und tritt nun für die Demokraten in Michigan um einen Sitz im Senat an. Der 42-jährige progressive Politiker hat einen furiosen Wahlkampf hingelegt. Bei Teilen des Parteiestablishments sorgt jedoch seine Haltung zu Israel für Unbehagen. So spricht sich El-Sayed gegen Waffenverkäufe an Israel aus. Sollte er gewählt werden, könnte er als erster Muslim der Geschichte in den US-Senat einziehen.
Die Demokraten hoffen, bei der Wahl am Dienstag den Republikanern die Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus abzunehmen. Eine künftige demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus gilt als nahezu sicher. Das Rennen um den Senat dürfte dagegen sehr eng werden. Gerade deshalb wird die Senatswahl in Michigan zwischen El-Sayed und Rogers genau beobachtet. Der Demokrat liegt in Umfragen leicht vorne, doch der offene Konflikt in den eigenen Reihen könnte diesen Vorsprung unter Druck setzen.