Sonic the Hedgehog ist ein Charakter, der niemals eine Waffe in die Hand nehmen würde – doch in Fortnite feuert nun eine Version des blauen Igels munter mit Schrotflinten um sich. Möglich macht das ein Android-Sonic, eine eigens für das Battle-Royale-Spiel entwickelte Variante der Spielfigur. Takashi Iizuka, Creative Officer der Sonic-Franchise bei Sega, erklärte im Gespräch mit IGN, wie das Unternehmen eine kreative Lösung für ein grundsätzliches Problem fand.
Epic Games sei vor einigen Jahren mit der Idee auf Sega zugekommen, Sonic und seinen Rivalen Shadow als spielbare Skins in Fortnite zu integrieren. Doch während Shadow als düsterer Antiheld bekannt ist, der gelegentlich zur Pistole greift, ist Sonic ein optimistischer Charakter, der seine Gegner vor allem mit enormer Geschwindigkeit und der Kraft der Chaos Emeralds besiegt. „Sonic ist ein Charakter, der niemals eine Waffe halten wird“, sagte Iizuka. Angesichts des Gameplay-Designs von Fortnite, in dem Schusswaffen eine zentrale Rolle spielen, sei es zunächst schwer vorstellbar gewesen, Sonic in das Spiel zu integrieren.
Die Lösung: ein Android-Sonic. Ähnlich wie bei Metal Sonic, einem Roboter-Doppelgänger aus der Spielreihe, entwickelte das Team eine künstliche Version des Igels, die realistischerweise eine Schrotflinte bedienen kann. „Weil wir diese Android-Version von Sonic gemacht haben, konnten wir diesen Android-Sonic in Fortnite bringen, ihn eine Waffe halten lassen und ihn wirklich im Spiel spielen und integrieren lassen“, erklärte Iizuka. Der Skin sei diese Woche im Item-Shop von Fortnite verfügbar, zusammen mit weiteren Sonic-Charakteren wie Tails, Knuckles und Dr. Eggman sowie einer neuen Spielumgebung, die an die berühmte Green-Hill-Zone aus den klassischen Sonic-Spielen erinnert.
Die Zusammenarbeit mit Epic Games brachte jedoch auch gestalterische Anpassungen mit sich. Laut Iizuka sei es in Fortnite entscheidend, dass alle Charaktere dieselben Waffen und Gegenstände nutzen können. „Wenn wir unseren normalen Sonic dort hineingebracht hätten, hätte das wirklich nicht funktioniert“, sagte er. „Wir brauchten eine Charakterform, die den anderen Fortnite-Charakteren ähnelt.“ Epic Games habe betont, dass die Körperproportionen mit den übrigen Figuren übereinstimmen müssten. In der Folge arbeiteten beide Teams eng zusammen, um sicherzustellen, dass der Android-Sonic sich einerseits wie ein Sonic-Charakter anfühlt, andererseits aber die technischen Anforderungen des Spiels erfüllt. Auffälligste Veränderung: Der Roboter-Igel erhielt deutlich längere Beine, um im Verhältnis zu den anderen Fortnite-Figuren zu passen.
Die Entscheidung, eine neue Sonic-Variante zu erschaffen, statt den klassischen Igel anzupassen, zeigt, wie Spielehersteller mit den Anforderungen von Crossover-Projekten umgehen. Für Sega war es offenbar wichtig, die Identität der Hauptfigur nicht zu verbiegen. Der Android-Sonic erlaubt es dem Unternehmen, die beliebte Marke in einem der erfolgreichsten Spiele der Welt zu präsentieren, ohne den Charakterkern zu verraten. Fortnite selbst hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Plattform entwickelt, auf der Figuren aus unterschiedlichsten Universen aufeinandertreffen – von Marvel-Helden über Star-Wars-Charaktere bis hin zu Musikstars. Die Aufnahme von Sonic und seinen Begleitern reiht sich in diese Strategie ein, die Epic Games kontinuierlich ausbaut.
Ob weitere Sonic-Charaktere folgen oder ob der Android-Sonic dauerhaft im Spiel bleibt, ist bislang nicht bekannt. Fest steht jedoch, dass die Kooperation zwischen Sega und Epic Games beiden Seiten nutzt: Fortnite erhält mit Sonic einen der bekanntesten Videospielhelden aller Zeiten, und Sega erreicht mit seiner Marke ein junges Publikum, das den blauen Igel möglicherweise vor allem aus Filmen und Serien kennt. Iizuka zeigte sich in dem Interview zufrieden mit dem Ergebnis – und betonte zugleich, dass die kreative Freiheit, die sich Sega bei der Entwicklung des Android-Sonic genommen habe, der Schlüssel für das Projekt war.