Russland plant offenbar, mindestens 27 Staatsbürger aus dem Jemen für seinen Krieg gegen die Ukraine zu rekrutieren. Das berichtet die ukrainische Zeitung «Kyiv Independent» unter Berufung auf den ukrainischen Auslandsgeheimdienst. Unter den Angeworbenen sollen sich demnach auch junge Männer befinden, die erst 2006 und 2007 geboren wurden. Der Bericht wirft ein Schlaglicht auf die anhaltenden Bemühungen Moskaus, seinen Truppenbedarf auch außerhalb der eigenen Grenzen zu decken.
In einem der geschilderten Fälle soll der Leiter eines russischen Rekrutierungsbüros im sibirischen Chanti-Mansijsk im Juli Grenzschützer gebeten haben, jemenitische Staatsbürger zu legalisieren, um anschließend Militärverträge mit ihnen abzuschließen. Grundlage sei ein Dekret von Kremlchef Wladimir Putin, das eine vereinfachte Vergabe von Aufenthaltsrecht und Staatsbürgerschaft ermöglicht. Bereits 2024 waren Berichte über die Anwerbung jemenitischer Söldner für den Einsatz in der Ukraine bekanntgeworden. Das genaue Ausmaß dieser Rekrutierungen bleibt jedoch unklar.
Russland rekrutiert seit dem Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 Soldaten aus Ländern wie Nordkorea, Nepal, Somalia, Indien und Kuba. Größter ausländischer Truppensteller in Russlands Krieg bleibt dem Bericht zufolge Nordkorea, das 2025 rund 12.000 Soldaten zur Unterstützung einer russisch geführten Gegenoffensive im Gebiet Kursk entsandt haben soll. Die jemenitischen Rekruten wären ein weiterer Beleg dafür, dass Moskau seine Verluste zunehmend durch Anwerbungen im Ausland auszugleichen versucht.
Unterdessen hat das US-Außenministerium zur Unterstützung der ukrainischen Luftverteidigung ein Rüstungsgeschäft im Umfang von knapp 2,7 Milliarden Dollar gebilligt. Das Paket diene der Weiterentwicklung der Luftabwehr und umfasse zugehörige Ausrüstung und Dienstleistungen, teilte das Ministerium mit. Das Vorhaben muss noch vom Kongress bestätigt werden. Nach Angaben des Ministeriums hat die Ukraine den Kauf verschiedener Raketentypen sowie von Abschussvorrichtungen und Radarsystemen zur Drohnenabwehr beantragt. Finanziert werden soll das Geschäft aus europäischen Beiträgen und Mitteln aus dem US-Programm zur Finanzierung ausländischer Militärgüter, die von der Regierung unter Trumps Vorgänger Joe Biden bewilligt worden waren.
Die russische Armee hatte ihre Raketenangriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew zuletzt intensiviert. Die Ukraine kann sich aufgrund eines Mangels an Abwehrraketen nur schwer gegen die Attacken verteidigen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert von seinen Verbündeten seit Langem mehr Unterstützung bei der Luftabwehr. Die USA hatten zuletzt ihre Vermittlungsversuche zur Beendigung des Ukraine-Kriegs wieder aufgenommen. Am Freitag setzte US-Präsident Donald Trump ein neues Sanktionspaket gegen Russland in Kraft.
Trump hat das vom Parlament verabschiedete Gesetz mit neuen weitreichenden Sanktionen gegen Russland unterzeichnet. Das Weiße Haus teilte mit, das Paket habe zuvor eine parteiübergreifende Mehrheit im Kongress bekommen und solle den Kreml im Ukraine-Krieg stärker unter Druck setzen. Neben direkten Strafmaßnahmen gegen russische Politiker und Firmen sieht es Sanktionen gegen russische Öl- und Gas-Exporte vor, mit denen Moskau seinen Angriffskrieg finanziert. Es berechtigt Trump unter anderem, die fünf größten Käufer russischer Energieträger mit Sanktionen zu belegen – sowie jene fünf Länder, die Russland am meisten dabei helfen, Energiesanktionen zu umgehen. Damit könnte es die US-Handelsbeziehungen zu China belasten.
US-Präsident Trump hat Russland zudem der Angriffe auf Verbündete der Ukraine bezichtigt. «Seit etwa fünf Jahren greifen sie die Verbündeten der Ukraine an», sagte er im Weißen Haus auf eine Reporterfrage nach entsprechenden Sorgen in Polen. «Ich glaube, da sind sich alle einig», sagte Trump weiter. Polens Ministerpräsident Donald Tusk hatte zuvor mitgeteilt, er rechne für die kommenden Wochen mit stärkeren russischen Angriffen auf die Ukraine wie auf ihre Unterstützer. Nach Einschätzung von Geheimdiensten könnte es zu scheinbar versehentlichen Attacken mit Drohnen und Raketen auf die Länder kommen, die der Ukraine Beistand leisten – darunter Polen. Das sagte Tusk im polnischen Parlament in Warschau, wie die Nachrichtenagentur PAP meldete.
In der russischen Hauptstadt Moskau ist unterdessen das Online-Wahlsystem nach Behördenangaben in der Nacht zum Samstag während der laufenden Parlamentswahl Ziel eines schweren Cyberangriffs geworden. Die Lage sei jedoch unter Kontrolle, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf die Leiterin der zentralen Wahlkommission, Ella Pamfilowa. Die Angriffe dauerten an, würden jedoch erfolgreich abgewehrt, sagte sie staatlichen Medien zufolge. Die Parlamentswahl in Russland begann am Freitag und dauert drei Tage. Es ist die erste Wahl der Duma seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022. Erste Ergebnisse werden für Sonntagabend ab 20.00 Uhr (MESZ) erwartet, das endgültige Ergebnis dürfte am Montag feststehen. Es wird allgemein erwartet, dass die kremltreue Partei Geeintes Russland ihre Dominanz im streng kontrollierten politischen System behaupten wird. Die liberale Jabloko-Partei, die einen Waffenstillstand in der Ukraine fordert, wurde wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Wahlvorschriften ausgeschlossen. Einige Jabloko-Kandidaten treten dennoch in einzelnen Wahlkreisen an. Präsident Wladimir Putin gab seine Stimme am Freitag online in seinem Büro im Kreml ab.