Wireva

Deutschland und die EU setzen auf neue Partner unter den Mittelmächten

Angesichts eines abgekühlten Verhältnisses zu den USA und wachsenden russischen Bemühungen um Verbündete suchen Berlin und Brüssel engere Bindungen zu Ländern wie Kanada, Südkorea, Japan, Brasilien und Australien.

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung unter der redaktionellen Verantwortung von Haydamax OÜ erstellt.

Die außenpolitischen Bündnisse verschieben sich, und Deutschland und die Europäische Union reagieren darauf mit einer stärkeren Hinwendung zu sogenannten Mittelmächten. Die Beziehung zwischen Deutschland und den USA hat sich abgekühlt, während Russland in afrikanischen Ländern um Verbündete wirbt. In dieser Lage gewinnen Staaten an Bedeutung, die weder zu den Großmächten zählen noch bloße Randfiguren sind.

Als Mittelmächte gelten je nach Definition etwa zwölf Staaten. Sie treiben wirtschaftliche Entwicklung voran, betonen Stabilität und Sicherheit und streben nach strategischer Autonomie. Sie sind über alle Kontinente verteilt und sehr unterschiedlich verfasst. Nicht alle verfügen über eine Regimestabilität wie die Nato-Staaten, und die Einhaltung des Völkerrechts ist nicht immer Priorität. Nach Einstufung des Deutschen Instituts für Internationale Politik und Sicherheit der Stiftung Wissenschaft und Politik gehören unter anderem Mexiko, Australien, die Türkei und Israel dazu. Anders als die Großmächte China, Frankreich, Russland, das Vereinigte Königreich und die USA sitzen sie nicht ständig im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Dennoch besitzen sie oft erhebliches diplomatisches und ökonomisches, teils auch militärisches Gewicht. Würden sie gemeinsam agieren, hätten sie nach dieser Darstellung mehr Einfluss als die EU.

In Montreal kamen die Spitzen der EU mit führenden kanadischen Politikern zusammen. Der zweitägige Gipfel stand unter dem Zeichen einer engeren Zusammenarbeit mit Mittelmächten. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte zuvor eine assoziierte EU-Partnerschaft angesprochen, was sich jedoch nicht durchsetzen ließ. Dennoch will die EU Kanada enger an sich binden. Kanada verfügt über Rohstoffe, die die Unabhängigkeit von China und Russland voranbringen könnten, und seine Demokratie sowie sein Justizsystem gelten als stabil und denen der EU-Staaten ähnlich. Im Freihandelsabkommen CETA arbeitet die EU bereits seit zehn Jahren beinahe zollfrei mit Kanada zusammen.

Bundeskanzler Friedrich Merz warb bei seiner Asienreise für die Gründung einer neuen politischen Allianz für einen geregelten Welthandel. Auf einem Wirtschaftsforum in Tokio sagte er, das Bündnis solle einen auf internationalen Vereinbarungen beruhenden Warenaustausch verteidigen, stärken und weiterentwickeln. Es könne »politische Impulse setzen und auch gemeinsam reagieren, wenn die regelbasierte Ordnung in Gefahr gerät«. Japan ist nach China der größte Handelspartner Deutschlands in Asien. Zudem besuchte Merz Südkorea, das seit Jahren ein wichtiger wirtschaftlicher Partner ist. Wegen der führenden Stellung südkoreanischer Chiphersteller dürfte dessen Bedeutung im Zuge des KI-Booms noch wachsen. Berlin setzt auch darauf, die Abhängigkeit von China zu verringern. Mehr als 500 deutsche Firmen sind dort tätig, vor allem Automobilzulieferer, Maschinenbauer, Chemieunternehmen sowie Firmen aus Elektrotechnik und Logistik. Im Juni 2026 unterzeichneten die EU und Südkorea ein Abkommen für den digitalen Handel, das grenzüberschreitende Datenflüsse regelt, Zölle auf Dienstleistungen senkt und Verbraucher besser schützen soll. In Singapur hatte Merz zuvor ein Freihandelsabkommen der EU mit der Transpazifischen Partnerschaft befürwortet.

Weitere Kandidaten für Partnerschaften sind Brasilien und Australien. Brasilien könnte nach der Wiederwahl des linksgerichteten Luiz Inácio Lula da Silva ein noch wichtigerer Partner werden. Eine strategische Partnerschaft mit der EU besteht seit 2008. Gemeinsame Interessen gibt es beim Klimaschutz, bei erneuerbaren Energien und beim Handel, und Brasilien kann als Brücke zwischen Globalem Süden und Norden die multilaterale Zusammenarbeit stärken. Zugleich stimmt Lulas Außenpolitik nicht reibungslos mit jener der EU überein: Er steht in engem Austausch mit Wladimir Putin und nahm 2025 an einer Militärparade in Moskau teil. Australien ist bereits ein enger Partner Deutschlands. Großes Potenzial sehen Beobachter bei grünem Wasserstoff, kritischen Rohstoffen und der Forschung, die Deutschlands Energieversorgung und Lieferketten breiter aufstellen könnte. Australiens stabile Demokratie und Justiz würden zudem eine engere Anbindung an die EU erleichtern.