Electronic Arts schließt das kanadische Rollenspielstudio BioWare. Wie der Publisher mitteilte, fallen am Standort rund 50 Arbeitsplätze weg, weitere 350 Stellen werden an anderen Standorten gestrichen. Damit sind insgesamt etwa drei Prozent der Belegschaft von EA betroffen. Die Nachricht bestätigt das Ende eines Studios, das mit Reihen wie Baldur's Gate, Star Wars: Knights of the Old Republic, Dragon Age und Mass Effect die Geschichte des westlichen Rollenspiels geprägt hat.
In einem Schreiben an die Mitarbeitenden erklärten EA-Betriebschef David Tinson und Studio-Chef Cam Weber, das Unternehmen habe die eigenen Geschäftsbereiche in den vergangenen Monaten «genau unter die Lupe genommen». Das habe zu abgesagten Projekten geführt. Betroffen ist auch das nächste Mass-Effect-Spiel, das sich bei BioWare in früher Entwicklung befand. Ebenfalls gestrichen wurde ein geplantes Spiel aus der Sims-Reihe mit dem Arbeitstitel Project Lotus. Die dafür vorgesehenen Ressourcen sollen stattdessen in ein Projekt mit dem Codenamen Project Evergreen fließen.
Die Schließung von BioWare ist Teil eines umfassenderen Sparkurses bei EA. Der Konzern hatte im März angekündigt, nach der milliardenschweren Übernahme durch den saudi-arabischen Staatsfonds Public Investment Fund rund 700 Millionen Dollar einsparen zu wollen. Der Deal hatte ein Volumen von 55 Milliarden Dollar und belastete das Unternehmen mit Schulden in Milliardenhöhe. Zwei Monate vor der aktuellen Entscheidung war EA vollständig in private Hand übergegangen. Die angekündigten Kürzungen betreffen nun auch das traditionsreichste Studio des Konzerns.
Viele bestehende Marken sollen dagegen weiterlaufen. Die Sportspiele des Publishers, Apex Legends, Battlefield, das nächste Star Wars Jedi und ein neues Iron-Man-Spiel bleiben nach Angaben von EA in der Entwicklung. Auch Full Circle arbeitet weiter an Skate, allerdings mit einem verkleinerten Team. Tinson und Weber begründeten die Entscheidungen mit dem Ziel, «Talente und Investitionen dort auszurichten, wo wir die größten Chancen für Spieler und langfristiges Wachstum sehen».
Für BioWare ist die Schließung das Ende einer wechselvollen Geschichte. Das Studio wurde im Februar 1995 gegründet und galt lange als eine der wichtigsten Adressen für erzählerisch anspruchsvolle Rollenspiele. In den vergangenen Jahren blieben die großen Erfolge jedoch aus. Sowohl Anthem aus dem Jahr 2019 als auch Dragon Age: The Veilguard von 2024 verfehlten die Erwartungen. Ein neues Mass Effect war seit mindestens Februar 2022 in Arbeit. Dieses Projekt ist nun ebenso eingestellt wie das Studio selbst.
Für Spielerinnen und Spieler bedeutet die Schließung vor allem, dass eine der bekanntesten Rollenspielschmieden nicht mehr existiert. Die Markenrechte liegen weiter bei EA, doch neue Spiele aus dem Studio wird es nicht mehr geben. Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der der Publisher nach der Übernahme durch den Staatsfonds seine Kostenstruktur neu ordnet und sich auf wenige, besonders profitable Marken konzentriert. BioWare steht damit exemplarisch für die Konsolidierung in der Spielebranche, bei der traditionsreiche Studios unter dem Druck großer Übernahmen und hoher Schulden verschwinden.