Die USA wollen den Transfer von zehn Patriot-Abfangraketen aus Deutschland an die Ukraine genehmigen. Nach Kongressunterlagen vom 15. September steht die Zustimmung des US-Außenministeriums kurz bevor. Es handelt sich um Abfangraketen des Typs MIM-104E GEM-T im Wert von 29,6 Millionen US-Dollar. Die Lieferung soll in Kürze erfolgen.
Die Nachricht trifft die Ukraine in einer kritischen Phase. Das Land leidet unter einem akuten Mangel an Patriot-Luftabwehrmunition. Diese Systeme gelten als die einzigen Waffen, die russische ballistische Raketen zuverlässig abschießen können. Der Munitionsmangel hat die Verteidigungsfähigkeit der ukrainischen Städte zuletzt erheblich beeinträchtigt.
Die Genehmigung aus Washington ist ein wichtiger Schritt, weil der Transfer von US-Technologie an Drittstaaten der Zustimmung des US-Außenministeriums bedarf. Deutschland hatte der Ukraine bereits früher Patriot-Systeme überlassen, doch die Munitionsvorräte sind begrenzt. Die zehn zusätzlichen Abfangraketen dürften den Schutz ukrainischer Ballungsräume kurzfristig verbessern.
Unterdessen hat Polen wegen massiver russischer Luftangriffe auf die Westukraine vorübergehend die Flughäfen Rzeszów und Lublin geschlossen. Das Einsatzkommando der polnischen Streitkräfte begründete dies mit «Operationen der Militärluftfahrt». Die Maßnahmen dienten der Vorsorge für den Fall einer Verletzung des polnischen Luftraums. In Teilen der Woiwodschaften Podkarpackie und Lubelskie wurden Warnmeldungen des Katastrophenschutzes RCB ausgegeben. Nach vorläufigen Angaben stürzte erneut eine Drohne nahe der polnisch-ukrainischen Grenze ab, rund zwei Kilometer von einem Grenzübergang entfernt. Polnische Militärjets waren während der russischen Angriffe im eigenen Luftraum im Einsatz.
Im Schwarzen Meer hat eine russische Drohne nach ukrainischen Angaben ein ziviles Handelsschiff getroffen. Das unter tansanischer Flagge fahrende Schiff war auf dem Weg zu einem ukrainischen Hafen. Der Kapitän kam ums Leben, drei weitere Besatzungsmitglieder wurden verletzt. Nach Angaben des Gouverneurs der Region Odessa, Oleh Kiper, wurden Aufbauten und Deck beschädigt. Das ukrainische Infrastrukturministerium warf Russland vor, mit Angriffen auf Häfen und zivile Schiffe die internationale Schifffahrt im Schwarzen Meer zu gefährden.
Russland und die Ukraine haben in der Nacht zum Donnerstag erneut gegenseitig Energieanlagen angegriffen. In Russland wurde eine Ölraffinerie in Jaroslawl beschädigt. Moskau attackierte nach ukrainischen Angaben Energie-Infrastruktur in den Regionen Sumy und Odessa. Der Gouverneur der Region Jaroslawl bestätigte einen ukrainischen Drohnenangriff auf die Raffinerie; ein Feuer sei inzwischen gelöscht worden. Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte den Angriff und erklärte, bei einem ukrainischen Schlag gegen einen Militärflugplatz in Rostow seien Flugzeuge und Hubschrauber beschädigt worden. Das Ausmaß der Schäden ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Die Angriffe kommen nur wenige Tage, nachdem US-Präsident Donald Trump erklärt hatte, Russland und die Ukraine hätten sich auf eine Feuerpause für Energieanlagen verständigt. Selenskyj widersprach dieser Darstellung: Eine entsprechende Vereinbarung gebe es bislang nicht. Die Ukraine sei zu einem solchen Schritt bereit, wenn Russland seine Angriffe ebenfalls einstelle.
In der Nacht zum Donnerstag hat Russland die Ukraine nach einigen Nächten Pause wieder mit ballistischen Raketen beschossen. Gegen Kiew wurden nach Angaben militärnaher Telegramkanäle bis zu sechs umfunktionierte Anti-Schiffs-Raketen vom Typ Zirkon eingesetzt. Ein Reporter hörte mehrere schwere Explosionen in der Stadt. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete von Schäden.
Unterdessen haben in Russland die Parlamentswahlen begonnen. Im Fernen Osten öffneten am Freitag die ersten Wahllokale auf der Halbinsel Kamtschatka und in Tschukotka. Die Abstimmung über die 450 Sitze der Staatsduma läuft bis Sonntag in elf Zeitzonen. Es ist die erste Parlamentswahl seit Beginn des russischen Kriegs in der Ukraine im Februar 2022. Auch in den von Russland besetzten Gebieten der Ukraine findet der Urnengang statt. Ein Sieg der Partei Geeintes Russland von Präsident Wladimir Putin gilt als sicher; zugelassen sind nur andere Kreml-treue Parteien.
Zudem sind die Russland-Geschäfte des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé und der französischen Einzelhandelskette Auchan unter russische Verwaltung gestellt worden. Laut einem am Donnerstag veröffentlichten Dekret von Putin wurden die Anteile an eine russische Gesellschaft namens L.E.V. Management übertragen. Betroffen ist auch die Bauhauskette Leroy Merlin, die 2024 in Russland in Lemana Pro umbenannt wurde. Im Fall Nestlé betrifft das Dekret unter anderem die Vermögenswerte der Nestlé Deutschland AG in Russland.