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Johanniter versorgen nachts Bedürftige in Saarbrücken im Rettungswagen

Ehrenamtliche Johanniter behandeln in Saarbrücken nachts im sogenannten Pflasterlaster kostenlos obdachlose und drogenabhängige Menschen, die sonst kaum medizinische Hilfe erhalten.

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung unter der redaktionellen Verantwortung von Haydamax OÜ erstellt.

In Saarbrücken behandeln ehrenamtliche Johanniter nachts Menschen mit offenen Wunden und schweren Entzündungen, die sonst oft keine ärztliche Versorgung bekommen. Die Hilfe findet in einem Rettungswagen statt, der alle zwei Wochen in der Brauerstraße unweit des Drogenhilfezentrums steht. Die Behandlung ist kostenlos und wird von Menschen geleistet, die dafür ihre Freizeit einsetzen.

Eine der Patientinnen ist Sonja, 34 Jahre alt. Seit drei Wochen entzündet sich ihre Hand, eitrige Blasen und zwei Abszesse machen ihr zu schaffen. Sie lebt allein in einer Wohnung und ist drogenabhängig; seit Jahren konsumiert sie Heroin und Kokain. Sie möchte davon loskommen. Die medizinische Hilfe hält sie gerade für Menschen ohne Krankenversicherung für wichtig.

Seit November 2022 sind die Johanniter in Saarbrücken mit dem sogenannten Pflasterlaster unterwegs. Ehrenamtliche reinigen Wunden, wechseln Verbände und behandeln Entzündungen, vor allem bei obdachlosen Menschen. Seit Januar gehört auch der Unfallchirurg und Orthopäde Michael Marz (46) zum Team. Was er nachts erlebt, unterscheidet sich deutlich von seinem Praxisalltag in Saarbrücken-Dudweiler. Er behandelt chronische Wunden, Infektionen und Parasitenbefall, die oft durch Kälte, Nässe und mangelnde Hygiene verschlimmert werden.

Besonders ein Patient ist Marz im Gedächtnis geblieben. Die Helfer rieten ihm dringend, ein Krankenhaus aufzusuchen, denn ihm drohte die Amputation eines Beines. Er folgte der Empfehlung nicht. Zwei Monate später sahen ihn die Johanniter wieder, inzwischen hatte er ein Bein verloren. Marz erklärt, dass selbst vermeintlich harmlose Entzündungen lebensgefährlich werden können; ein unbehandelter Abszess könne eine Sepsis auslösen.

Die Möglichkeiten im Rettungswagen sind jedoch begrenzt. Kleinere chirurgische Eingriffe sind möglich, Ultraschall- oder Laboruntersuchungen dagegen nicht. Bei Bedarf verweisen die Helfer an Krankenhäuser, Arztpraxen oder die Diakonie. Warum Betroffene nicht selbst zum Arzt gehen, erklärt der Johanniter-Rettungshelfer Michael Broschart (65): Scham sei einer der häufigsten Gründe. Manche trauten sich wegen ihrer Kleidung oder mangelnder Hygiene nicht in eine Praxis, andere seien nicht krankenversichert und fürchteten unbezahlbare Rechnungen. Deshalb sei Vertrauen entscheidend. Wer gute Erfahrungen gemacht habe, komme wieder, manche brächten sogar andere Hilfsbedürftige mit.

Begonnen hat das Projekt vor rund vier Jahren mit einer einfachen Frage. Ein Ehrenamtlicher des Kältebusses sprach den Johanniter-Notfallsanitäter Klaus Kiefabar (49) an, weil viele obdachlose Menschen Schmerzen oder unversorgte Wunden hätten. Aus ersten Besuchen wurde ein regelmäßiger Einsatz. Heute gehören sechs bis acht aktive Ehrenamtliche zum festen Team. Im Sommer begleitet der Pflasterlaster die Initiative Kältebus, die auch in der warmen Jahreszeit Essen an Obdachlose verteilt. Im Winter steht der Rettungswagen alle zwei Wochen am Kältedorf am Römerkastell, wo es auch Schlafplätze im Warmen gibt.

Wie viele Menschen behandelt werden, lässt sich nicht genau beziffern, da die Johanniter zum Schutz der Anonymität keine Patientendaten erheben. Kiefabar schätzt rund 75 Behandlungen pro Jahr und eine steigende Nachfrage. Das Projekt kostet etwa 2.000 Euro im Jahr. Der Rettungswagen ist bereits vorhanden, alle Helfer arbeiten ehrenamtlich, doch Verbandsmaterial, medizinische Instrumente und Diesel verursachen Kosten. Kiefabar hofft deshalb auf Spenden und weitere Fachkräfte, besonders einen zweiten Arzt. Nach Angaben des Arbeiter-Samariter-Bundes im Saarland gibt es ein vergleichbares Angebot dort derzeit nicht; auch dem Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes sei nichts Vergleichbares bekannt.

Für Marz hat die ehrenamtliche Arbeit den Blick auf die Gesellschaft verändert. Obdachlosigkeit werde häufig ausgeblendet, sagt er, und auch ihm selbst sei es früher so gegangen. Das Gesundheitssystem fange obdachlose Menschen zwar grundsätzlich auf, häufig aber erst, wenn Erkrankungen bereits weit fortgeschritten seien. Der Pflasterlaster könne keine Arztpraxis ersetzen, doch für Menschen, die aus Scham, Angst oder Verzweiflung keine Hilfe suchten, sei er manchmal der erste Schritt zurück in die Versorgung.

Nach der Behandlung verließ Sonja den Rettungswagen mit versorgten Wunden an der Hand. Ihr Wunsch, von den Drogen loszukommen, bleibt bestehen. Ob ihr das gelingt, ist ungewiss.