Das französische Entwicklerstudio Arkane Lyon steht offenbar vor dem Aus. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, hat Microsoft dem Studio eine Frist bis zum 13. November gesetzt, um einen Käufer zu finden. Gelingt das nicht, droht die Schließung. Betroffen wären 217 Beschäftigte, die derzeit noch an Marvel's Blade arbeiten.
Hintergrund ist das französische Florange-Gesetz von 2014. Es verpflichtet Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden, mindestens drei Monate lang nach einem Käufer zu suchen, bevor ein Standort geschlossen werden darf. Die Suche nach einem Interessenten für das Dishonored- und Deathloop-Studio begann im Sommer. Microsoft informierte die Belegschaft am 16. Juli über die Entscheidung, kurz nachdem der neue Xbox-Chef Asha Sharma Schließungs- oder Ausgliederungspläne für mehrere Studios angekündigt hatte.
Die Verhandlungen über den Sozialplan laufen nach Angaben eines Gewerkschaftsvertreters schlecht. «Die Gespräche über den Sozialplan verlaufen schlecht», zitiert Le Monde einen Vertreter. Die Gewerkschaften versuchen derzeit, mehr Zeit zu gewinnen, um die Diskussionen zu einem Abschluss zu bringen. «Mehrere Formen der Übernahme werden geprüft», heißt es in dem Bericht – offenbar gibt es Interessenten für das Studio, das für seine Immersive-Sim-Spiele bekannt ist. Die Gewerkschaft zeigt sich deshalb hoffnungsvoll, das Studio und die Arbeitsplätze retten zu können.
Microsoft äußerte sich nicht direkt zu dem Bericht, erklärte aber: «Wir prüfen im Rahmen des laufenden französischen Konsultationsverfahrens weiterhin verschiedene Optionen für Arkane. Wir halten den Betriebsrat und die Beschäftigten auf dem Laufenden und suchen aktiv nach einem Partner, um die nächste Entwicklungsphase zu unterstützen und die Vermarktung des Projekts zu ermöglichen.» Ein internes Dokument, das Le Monde vorliegt, sieht den Beginn der vollständigen und endgültigen Einstellung der Geschäftstätigkeit für Ende 2026 vor, mit einer Fortsetzung bis ins erste Quartal 2027.
Die Gewerkschaft fordert, betroffene Mitarbeitende bei anderen Xbox-Studios unterzubringen. «Der Sozialplan muss an den Videospielmarkt angepasst werden, wo die Aussichten auf eine Rückkehr in den Beruf derzeit äußerst begrenzt sind», so der Gewerkschaftsvertreter. Die Verhandlungen laufen bis zum 30. Oktober. Eine Klage gegen Microsoft schließt die Gewerkschaft nicht aus. «Das steht in völligem Widerspruch zu dem, was uns jahrelang im Betriebsrat über die finanzielle Lage des Unternehmens gesagt wurde», kritisiert der Vertreter. Microsoft wolle sich von Arkane trennen, obwohl es dem Studio gut gehe, um Kosten zu sparen und die Rentabilität kurzfristiger Investitionen zu verbessern.
Arkane Lyon blickt auf eine 27-jährige Geschichte zurück. Das erste Spiel war Arx Fatalis im Jahr 2002, gefolgt von Dark Messiah of Might and Magic (2006) und KarmaStar (2009). Seit den 2010er-Jahren folgten Hits wie die Dishonored-Reihe und Deathloop. Das texanische Schwesterstudio Arkane Austin wurde nach dem misslungenen Redfall 2024 geschlossen. Die Trennung von Arkane Lyon aus dem Xbox-Portfolio wurde bereits Anfang des Jahres zusammen mit Double Fine Productions, Compulsion Games, Undead Labs und Ninja Theory angekündigt. Die meisten Studios wurden wieder unabhängig, Ninja Theory soll nun ebenfalls schließen, nachdem Pläne für externe Investoren gescheitert sind.
Unklar bleibt, ob Marvel's Blade jemals erscheinen wird. Das Spiel wurde im Dezember 2023 mit einem Trailer angekündigt, seitdem gab es nur wenige Konzeptbilder. Vor den Entlassungen im Juli war laut IGN eine Enthüllung für Anfang 2027 und eine Veröffentlichung im vierten Quartal 2027 geplant. Todd Howard, Leiter von Bethesda Game Studios, sagte im Juni, er habe gesehen, woran Arkane Lyon arbeite, und sei beeindruckt gewesen. Marvel Games reagierte nicht auf eine Anfrage.