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Remi Wolf veröffentlicht Album «Mud»: Funk-Pop zwischen Schlamm und Selbstfindung

Die kalifornische Künstlerin Remi Wolf meldet sich mit ihrem dritten Album «Mud» zurück. Nach «Juno» und «Big Ideas» zeigt sie sich darauf ungewohnt erdig und emotional – ein Wendepunkt in ihrer Karriere.

Die kalifornische Musikerin Remi Wolf hat ihr drittes Studioalbum «Mud» veröffentlicht. Nach den beiden Vorgängern «Juno» und «Big Ideas», die für ihren hypergesättigten Funk-Pop und ihren genreübergreifenden Maximalismus bekannt waren, schlägt die Sängerin auf dem neuen Werk einen deutlich ruhigeren und persönlicheren Ton an. Das Album erscheint am 9. Oktober 2025 über Remi Wolf und Island Records.

Schon das Cover macht den Richtungswechsel sichtbar: Statt knalliger Farbwelten zeigt es Wolf, wie sie mit Schlamm bedeckt aus einem sumpfigen Bad auftaucht und dabei ein befremdlich lächelndes Gesicht macht. Dieses Bild steht für die emotionale Reinigung, die die Künstlerin eigenen Aussagen zufolge beim Schreiben des Albums durchlebt hat. «Ich fühlte mich buchstäblich, als wäre ich mit Dreck bedeckt», beschreibt sie diesen Zustand. Mit 30 Jahren ordnet Wolf diese Phase als eine Art künstlerischen Neuanfang ein, der mit der astrologischen Saturn-Rückkehr zusammenfällt – einem Transit, der laut Astrologie mit intensiven persönlichen Umwälzungen und Selbstreflexion einhergeht.

Auslöser für diese Neuausrichtung war das Ende einer zweieinhalbjährigen Beziehung sowie die Erschöpfung durch das ständige Auf und Ab des Tourlebens. Auf «Mud» verzichtet Wolf deshalb weitgehend auf ihre typische Extravaganz und ihre augenzwinkernden Pointen. An ihre Stelle treten raue, erdige Texturen und eine ungewohnte emotionale Offenheit.

Das Album beginnt mit dem Stück «Bottle», das eine rohe Melancholie trägt. Gedämpfte Electro-Beats, sanfte Achtziger-Jahre-Riffs und hallende Vocals untermalen Wolfs bislang schwermütigste Texte. Die Zeile «I can't get the bottle if I don't get up» wiederholt sie wie ein Mantra und thematisiert damit ihren schwierigen Umgang mit Nüchternheit. Wo früher komödiantische Sprüche ihre Texte antrieben, ist es auf «Mud» die emotionale Selbsterkenntnis.

In «Twiggy» richtet sich Wolfs Groll gegen einen emotional nicht verfügbaren Liebhaber: «You don't fucking miss me / You just miss your mother». Die langsam aufbauende Ballade «I Won't Cry» wiederum dürfte bei gebrochenen Herzen für Gänsehaut sorgen. «I blackout like a dying star», singt sie über einen schleppenden Beat. Selbst ohne das übliche Klangfeuerwerk – mit Ausnahme des stampfend-klatschenden Power-Pop-Ausflugs «Wine Drunk» – bleibt Wolfs Stimme ihr stärkstes Instrument.

Auf «Burn Me Blue» bewegt sie sich zwischen der Country-Rock-Balladenkunst einer Shania Twain und dem aufsteigenden Kratzen einer Hayley Williams. Später zeigt sie auf dem gefälligen «Moon So High» gemeinsam mit John Mayer ihren sanftesten Country-Twang. Der bluesige Spagat zwischen Sprechgesang und Belting in «Jamie» zündet zwar nicht so stark wie der brodelnde Indie-Rock-Track «Covered In Mud», und die Fingerpicking-Wiederholung von «Guess» zieht sich etwas, bevor das abschließende «Yellow Rose» das Album beendet. Dennoch dürfte «Mud» all jene ansprechen, die in ihren Zwanzigern einige Schrammen und Dellen davongetragen haben.

Mit «Mud» zeigt Remi Wolf, dass ihr künstlerisches Spektrum weit über den lauten Funk-Pop hinausreicht. Das Album ist ein Beleg dafür, dass Verletzlichkeit und musikalische Experimentierfreude kein Widerspruch sein müssen. Ob man die Trennung bereits überwunden hat oder noch mitten in den Trümmern steckt – «Mud» erinnert daran, dass es eine andere Seite gibt.

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