Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Sanktionen gegen seine ehemalige Pressesprecherin Julia Mendel verhängt. Wie das Präsidialamt am Sonntagabend mitteilte, wird Mendel beschuldigt, russische Propaganda zu verbreiten und «Russlands aggressive Politik gegen die Ukraine» zu unterstützen. Die genaue Art der Strafmaßnahmen geht aus der Mitteilung nicht hervor. Selenskyj wolle sich nach Angaben des Präsidialamts mit seinen internationalen Partnern über die Sanktionen abstimmen.
Mendel war vom 3. Juni 2019 bis zum 9. Juli 2021 Pressesprecherin des ukrainischen Präsidenten. Als möglichen Hintergrund für die Sanktionen nennt die ukrainische Zeitung «Ukrainska Prawda» ein Interview, das Mendel dem US-Moderator Tucker Carlson gegeben hatte. Darin habe sie Selenskyj der Geldwäsche und des Drogenkonsums beschuldigt. Zudem habe sie behauptet, Selenskyjs ehemaliger Bürochef Andrij Jermak sei ein «Magier».
Neben den Sanktionen gegen Mendel verhängte der Präsident Strafmaßnahmen gegen 20 Schiffe der russischen Schattenflotte sowie gegen russische Staatsbürger und Unternehmen, die für die russische Rüstungsindustrie tätig sind. Die Schattenflotte dient Russland dazu, westliche Sanktionen gegen den Ölexport zu umgehen. Die Maßnahmen gegen die Schiffe und Unternehmen sind Teil der anhaltenden Bemühungen Kiews, die russische Kriegswirtschaft zu schwächen.
Unterdessen warnt der finnische Botschafter in Deutschland, Kai Sauer, vor dem wachsenden Einfluss Chinas und Russlands in der Arktis. Vor dem EU-Arktis-Gipfel im finnischen Rovaniemi sagte Sauer den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: «Es besteht wirtschaftliches Interesse, es besteht Interesse an den seltenen Mineralien und auch an den sich öffnenden Seewegen.» Dies merke man in Grönland und auch im finnischen Umfeld. Angesichts des jüngsten Besuchs von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen in Grönland und des von ihr angekündigten Investitionspakets in Höhe von 200 Millionen Euro sagte Sauer: «Wir hoffen, dass sich das europäische Interesse nicht nur auf Grönland begrenzt, sondern die gesamte Arktis umfasst.»
Finnland sei ein starker Akteur in der Arktis und müsse sich nicht verstecken, betonte der Botschafter. Finnland plane 80 Prozent aller Eisbrecher weltweit, 60 Prozent dieser Schiffe würden in Finnland hergestellt – «auch wenn andere sich große Mühe geben».
Unterdessen berichtet die «Financial Times» unter Berufung auf Insider, dass Kanada derzeit über die Unterstützung eines Darlehens der Europäischen Union in Höhe von 90 Milliarden Euro für die Ukraine verhandelt. Beide Seiten hofften, sich noch vor einem EU-Gipfel in Montreal Ende Oktober auf den Beitrag Kanadas zu einigen. Zuvor hatte das «Wall Street Journal» berichtet, Kanada strebe angesichts verschlechterter Beziehungen zu den USA eine engere Anbindung an die EU an. Ministerpräsident Mark Carney prüfe dazu die Möglichkeit einer «assoziierten Mitgliedschaft».