Das kommende Echtzeitstrategiespiel „War for Westeros“ richtet sich an Genre-Enthusiasten, doch die Entwickler von PlaySide wissen: Mit der Marke „Game of Thrones“ werden auch viele Fans ankommen, die noch nie ein RTS gespielt haben. Deshalb setzt das Studio von Anfang an auf Zugänglichkeit statt auf Abschreckung. Game Director Ryan McMahon sagte im Interview auf der gamescom, der Schlüssel liege in der „Annäherbarkeit“ des Spiels: „Es geht nicht darum, abzustumpfen, was ein gutes RTS ausmacht, sondern darum, wie wir Spieler an diese Erfahrung heranführen.“
Konkret bedeutet das: Ein „sehr robustes“ Tutorial soll Neulinge beim Start in den Skirmish-Modus begleiten, während die Kampagne die verschiedenen Systeme nach und nach erklärt. Besonders bemerkenswert ist jedoch ein Design-Entscheid, der die größte Hürde vieler RTS-Spiele beseitigt: Arbeiter-Einheiten benötigen keine ständige Mikroverwaltung. In vielen Genre-Vertretern müssen Spieler Arbeiter immer wieder neuen Aufgaben zuweisen, etwa beim Ressourcensammeln oder Bauen. In „War for Westeros“ gilt dagegen das Prinzip „Set and forget“: Einmal errichtete Gebäude farmen Ressourcen von selbst. „Das reduziert die mentale Überlastung und erlaubt es dir, dich auf die Einheiten, Helden und Gebäude zu konzentrieren, die du einsetzen willst“, erklärte McMahon. So bleibe Raum für die Momente, die man sehen wolle – etwa den Kampf gegen mächtige Drachen.
Die künstliche Intelligenz des Spiels ist darauf ausgelegt, Spielern im Einzelspieler-Modus den nötigen Raum zum Lernen zu geben. Die Hoffnung dahinter: Wer die Mechaniken versteht, traut sich irgendwann auch in den Mehrspieler-Modus. „Wenn sie jemals mit Freunden spielen wollen, gibt es genug Komplexität, die sie über die Zeit gelernt haben, ohne sie sofort meistern zu müssen“, so McMahon. Das Spiel biete aber auch Genre-Kennern genug Tiefe, um langfristig zu fordern.
Für Fans der HBO-Serie gibt es neben der Strategie auch Wiedersehen mit bekannten Gesichtern. „War for Westeros“ enthält ikonische Charaktere mit den Gesichtszügen der Seriendarsteller. Für die Sprachausgabe wurden jedoch keine Originalschauspieler verpflichtet, sondern Stimm-Doubles eingesetzt. „Natürlich wäre es ein sehr teures Unterfangen, die echten Schauspieler zu engagieren, und einige von ihnen sind in unseren Zeitplänen auch nicht verfügbar“, erklärte McMahon. Jon Snow erscheint mit dem von Schauspieler Kit Harington genehmigten Aussehen. Auf der gamescom wurden zudem Gregor „Der Berg“ Clegane für Haus Lennister und Arya Stark für Haus Stark angekündigt. Der Berg soll mit seiner schieren Größe und Stärke Schlachtreihen erschüttern, während Arya als Meisterassassinin beschrieben wird, die bei den Gesichtslosen Männern ausgebildet wurde.
Interessant ist auch, welche Helden sich bei den internen Tests als besonders beliebt erwiesen haben. Obwohl Jon Snow als Publikumsliebling galt, zeigten die internen Statistiken ein anderes Bild: „Tywin Lennister und Robb Stark sind tatsächlich am beliebtesten“, verriet McMahon. Der Grund liege in ihrer Kavallerie, die schnelle Bewegungen über die Karte ermöglicht, sowie in ihren Fähigkeiten als Kommandeure, die verbündete Einheiten verstärken. Die Beliebtheit ändere sich jedoch ständig. Das Team spielt jeden Freitagnachmittag intern und veranstaltet Turniere, bei denen Sieger einen Wanderpokal erhalten. Die gesammelten Daten – von Siegraten der Fraktionen bis zu Heatmaps über Gebäudeplatzierungen – fließen direkt in die Balance und das Leveldesign ein. Aktuell wählen die Spieler ihre Helden eher nach taktischer Effektivität als nach Sympathie – ein Zeichen dafür, dass das Spiel auch strategisch fordert, ohne Neulinge zu überfordern.