Vor zehn Jahren hat Nintendo mit einem dreieinhalbstündigen Video die erste Switch vorgestellt – und damit eine der einprägsamsten Marketingkampagnen der Gaming-Geschichte geschaffen. Der Trailer vom 20. Oktober 2016 zeigte, wie Nintendo sich die Nutzung der Hybridkonsole vorstellte: Spieler nehmen ihre Games mit in den Alltag, auf Reisen, zu Freunden. Ein Jahrzehnt später lässt sich bilanzieren, welche dieser Visionen Wirklichkeit wurden und welche bis heute wie ein Kuriosum wirken.
Die Ankündigung war damals mit Spannung erwartet worden. Nach dem schwachen Abschneiden der Wii U und monatelangen Spekulationen über das Nachfolgeprojekt mit dem Codenamen «NX» war die Fangemeinde unruhig. Berichte und Gerüchte deuteten auf eine Hybridkonsole aus stationärem und mobilem Gerät hin. Als Nintendo das Gerät schließlich präsentierte, machte der Trailer klar, worauf es dem Unternehmen ankam: Flexibilität und gemeinsames Spielen – überall.
Einige Szenen des Videos sind bis heute ikonisch. Da ist ein Mann, der mit seinem Hund und einer Kopie von «The Legend of Zelda: Breath of the Wild» spazieren geht. Eine Reisende spielt «Skyrim» im Flugzeug und schließt die Konsole zu Hause an den Fernseher an. Professionelle «Splatoon»-Spieler üben vor ihrem großen Auftritt auf der Bühne. Und dann ist da die Figur, die Fans als «Nintendo Karen» tauften: eine Frau, die «Super Mario Odyssey» spielt, von Freunden zu einer Dachterrassen-Party gerufen wird und dort die Switch mit dem kleinen Ständer hervorholt, um mit einer Freundin zu zocken, während Umstehende mit roten Plastikbechern eher teilnahmslos zusehen.
Diese Szene sorgte für Diskussionen. Fans debattierten über die sozialen Implikationen, eine Konsole auf eine solche Feier mitzubringen – und über die Frage, ob das realistisch ist. Der Trailer bleibt ein bemerkenswertes Stück Marketing: mit optimistischer Stimmung und starkem Fokus auf die Marke Switch, was nach den Marketingproblemen der Wii U dringend nötig war. Zehn Jahre später hat sich gezeigt, dass Nintendos Prognose zur gesellschaftlichen Wirkung der Konsole teilweise aufging. Switches sind im öffentlichen Raum präsent, in Zügen, Parks und Wartezimmern. Die spezifische Dachterrassen-Party aber bleibt eine Fantasie aus dem Werbespot.
Der Blick zurück fällt auch auf den Kontrast zur Gegenwart. Die Switch 2 verkauft sich gut, doch ihre Enthüllung wirkte im Vergleich zum Original kühler und weniger spektakulär. Der erste Switch-Trailer hatte eine Leichtigkeit und einen eigenwilligen Charme, die Nintendo bis heute auszeichnen – auch wenn das Unternehmen das berühmt-berüchtigte Foto von Mario hinter einem Vorhang wohl nie wieder verwenden dürfte. Für junge Spielerinnen und Spieler, die mit der Switch aufgewachsen sind, ist der Trailer längst ein Stück digitaler Kulturgeschichte.
Die Diskussion um die Switch zeigt, wie stark Gaming und Alltagskultur inzwischen verschmelzen. Was 2016 als Werbevision begann, ist heute Teil des Lebens vieler Menschen: Spielen im Zug, im Park oder bei Freunden. Die Frage, ob man eine Konsole zu einer Party mitnehmen sollte, ist dabei weniger eine technische als eine soziale – und sie wird bis heute unterschiedlich beantwortet.