Bei der Kryptobörse Binance haben Hacker digitale Vermögenswerte im Wert von rund 6,3 Milliarden US-Dollar erbeutet. Insider sprechen bereits vom größten Bankraub der Menschheitsgeschichte. Das Unternehmen betont jedoch, dass die Gelder der Kundinnen und Kunden nicht betroffen seien. Betroffen waren nach Angaben des Konzerns ausschließlich die Unternehmensbestände.
Nach Berichten des US-Senders NBC News befanden sich rund drei Milliarden der insgesamt 6,3 Milliarden Dollar möglicherweise an mehreren Börsen, die eingefroren werden konnten. Unklar war zunächst, ob diese Mittel tatsächlich zurückgeholt werden können. Binance erklärte, Auszahlungen für Kundinnen und Kunden sollten bis Sonntag wieder aufgenommen werden. Einzahlungen seien nicht beeinträchtigt und funktionierten weiterhin normal.
Binance-Co-Chef Richard Teng sagte am Freitag, nach bisherigen Erkenntnissen seien vermutlich mehrere Angreifer beteiligt gewesen. Er bezeichnete den Vorfall als komplexen Angriff. Die Täter hätten zudem einen sogenannten Selbstzerstörungsmechanismus eingesetzt, der die Nachverfolgung und Untersuchung erschwere. Teng betonte, die Vermögenswerte der Kundinnen und Kunden seien sicher.
Laut der New York Post wird die nordkoreanische Hackergruppe TraderTraitor verdächtigt, hinter dem Angriff zu stecken. Das Analyseunternehmen TRM Labs und Branchenkreise zufolge haben die Täter die digitalen Münzen innerhalb von lediglich 20 Minuten aus Binance-Wallets abgezogen. Der Angriff habe am Donnerstag um 16:30 Uhr Ostküstenzeit begonnen. Die Angreifer sollen sich über den Laptop eines Ingenieurs Zugang zum System verschafft haben. Der US-Geheimdienst Secret Service unterstützt die Ermittlungen bei der Verfolgung der gestohlenen Kryptowerte.
Der Diebstahl hat auch die Kryptomärkte erschüttert. Am Freitag gerieten sowohl Bitcoin als auch Ether unter Druck, und auch damit verbundene Aktien gaben nach. Der Fall zeigt, wie stark der Kryptosektor von der Sicherheit einzelner großer Plattformen abhängt. Ob und in welchem Umfang die erbeuteten Mittel wiedererlangt werden können, war zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch offen. Die Ermittlungen zur Herkunft und Zuordnung des Angriffs dauern an, Binance hat weitere Details für die kommenden Tage angekündigt.