Eine neue japanische Dramaserie stellt gängige Vorstellungen über Frauen im Berufsleben auf den Kopf, und das öffentlich-rechtliche Medienunternehmen NHK spielt dabei eine zentrale Rolle. Laut einer der führenden Produzentinnen des Senders, Akiko Ueda, hat die Serie The Employee in Japan eine Debatte darüber ausgelöst, mit welchem Dilemma Frauen beim Aufstieg auf der Karriereleiter konfrontiert sind.
Die Serie wurde vor etwa zwei Wochen gestartet. Ihr zentrales Thema ist der sogenannte Double Bind, also die doppelte Zwickmühle, in der sich berufstätige Frauen häufig befinden: Sie sollen durchsetzungsstark und ehrgeizig sein, gelten dabei aber schnell als zu hart oder unweiblich. Umgekehrt droht ihnen Zurückhaltung als mangelnde Führungsstärke ausgelegt zu werden. Die Produktion greift diese Spannung auf und zeigt sie aus der Perspektive ihrer Figuren im Arbeitsalltag, sodass Zuschauerinnen und Zuschauer die widersprüchlichen Erwartungen unmittelbar nachvollziehen können.
Nach Angaben von Ueda ist genau dieser Ansatz das, was das Publikum anspricht. Die Serie verzichte darauf, Frauen im Büro als Ausnahmeerscheinungen oder ausschließlich als Opfer eines Systems zu zeichnen, und bringe stattdessen komplexe, widersprüchliche Charaktere auf den Bildschirm. Gerade dadurch werde sichtbar, wie tief verankerte Erwartungen an Geschlechterrollen die berufliche Entwicklung beeinflussen, und zwar nicht nur über offene Diskriminierung, sondern auch über alltägliche Bewertungen von Auftreten, Tonfall und Ehrgeiz.
Die Debatte über Frauen in Führungspositionen ist in Japan seit Jahren ein gesellschaftliches Thema. Trotz politischer Initiativen zur Förderung weiblicher Beschäftigung sind Frauen in höheren Management-Etagen nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Dass ein öffentlich-rechtlicher Sender ein Format mit diesem Schwerpunkt produziert, wird vor diesem Hintergrund als bemerkenswert wahrgenommen, weil NHK mit seinen Dramen ein breites Publikum über alle Altersgruppen hinweg erreicht.
Nach den Angaben aus dem Umfeld der Produktion hat The Employee in kurzer Zeit Gespräche unter Zuschauerinnen und Zuschauern angestoßen, die über den reinen Unterhaltungswert hinausgehen. Viele Menschen sprechen laut Ueda darüber, wie sie selbst mit dem Double Bind umgehen oder wie sie ihn in ihrem eigenen Arbeitsumfeld beobachten. Damit erfüllt die Serie nach Einschätzung der Produzentin eine Funktion, die über das klassische Drama hinausgeht: Sie gibt einer Erfahrung Worte, die im Alltag oft unausgesprochen bleibt.
Ob und wie sich die Diskussion über die Serie hinaus fortsetzt, bleibt abzuwarten. Klar ist, dass The Employee einen Beitrag zu einer Debatte leistet, die in Japan seit längerem geführt wird und die sich um Leistung, Anerkennung und Geschlechterbilder im Beruf dreht. Ob die Serie daran etwas verändert, lässt sich nach zwei Wochen Laufzeit noch nicht seriös beurteilen.