Das für seine Yakuza-Reihe bekannte Studio RGG wagt mit «Stranger Than Heaven» einen ungewöhnlichen Schritt. Das Action-Abenteuer erzählt die Geschichte eines Mannes mit gemischter Herkunft, die sich über mehrere Jahrzehnte zwischen Japan und den USA erstreckt und bis zu den Anfängen des Tojo-Clans im Kamurocho der 1960er-Jahre führt. Erste ausführliche Spielberichte zeichnen das Bild eines Titels, der vertraute Elemente der Studioarbeit aufgreift, in den entscheidenden Punkten aber neue Wege geht.
Die Handlung beginnt 1915 in San Francisco. Der Protagonist Makoto Daito flieht vor einem Verbrechen, das er nicht begangen hat. Die Polizei, die ihn verfolgt, schert sich nicht um seine Unschuld und will den Fall einem «Ausländer» anhängen. Makoto entkommt als blinder Passagier auf dem letzten Schiff aus der Bucht und trifft an Bord auf Orpheus, gespielt von Snoop Dogg. In der japanischen Kleinstadt Kokura angekommen, wird er als Außenseiter behandelt, dessen blaue Augen seine fremde Herkunft verraten. Die Geschichte thematisiert die Diskriminierung, mit der Menschen asiatischer Herkunft im frühen 20. Jahrhundert konfrontiert waren.
Regisseur Mikinobu Abe betont, dass «Stranger Than Heaven» keine historische Genauigkeit anstrebt. Bewusst eingebaute Anachronismen sollen Teil der Welt sein. Dazu passt die Besetzung mit Snoop Dogg, dessen Rolle in der Geschichte über Ausgestoßene funktioniert, die durch Musik eine Gemeinschaft finden. In einer längeren Spielsequenz zeigt sich zudem, wie einfühlsam das Studio Figuren zeichnet: Makoto trifft die Hostess Tae und ringt sichtbar mit seiner Scham und seiner Herkunft. Die Szene füllt mehr als 15 Minuten Zwischensequenzen, ohne dass die Spannung verloren geht.
Beim Kampfsystem setzt das Studio auf ein parry-basiertes System. Leichte und schwere Angriffe liegen auf den Schultertasten und Triggern, während die Verteidigung ein gezieltes Timing mit Richtungswahl verlangt. Wer die Angriffsanimationen genau beobachtet, kann Gegner aus dem Gleichgewicht bringen und die Kämpfe kontrolliert führen. In den ersten Stunden wirkt das Kampfsystem noch etwas träge, besonders in Menschenmengen. Sobald man sich jedoch an das System gewöhnt hat, entfaltet es seinen Reiz.
Abseits der Kämpfe bietet «Stranger Than Heaven» eine Reihe von Minispielen, darunter die Rolle als Musik- und Clubmanager. Auch das Drehen von Zigaretten ist als Spielmechanik umgesetzt und verschafft dem Protagonisten temporäre Statusboni. Die Spielwelt besteht aus mehreren Städten, die jeweils eine andere Zeitperiode repräsentieren. Zwischen den Jahrzehnten wechselt die Geschichte zwischen Japan und den USA und verbindet persönliche Konflikte mit größeren gesellschaftlichen Entwicklungen.
Die ersten Spielberichte fallen überwiegend positiv aus, weisen aber auf eine mögliche Spaltung hin. Wer die vertrauten Action-Spiele von RGG schätzt, dürfte sich schnell zurechtfinden. Wer jedoch einen schnellen, zugänglichen Titel erwartet, könnte mit dem bedächtigen Tempo und dem ernsten Ton hadern. Die Mischung aus historischer Diskriminierung, Musik, Anachronismen und einer prominenten Besetzung wie Snoop Dogg ist ungewöhnlich für ein Studio, das bislang vor allem für seine Yakuza-Reihe bekannt ist. Ob dieser Mut aufgeht, wird sich zeigen, wenn das Spiel erscheint.