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Dragon-Quest-Schöpfer Yuji Horii lobt KI nach Spielprototyp in 30 Minuten

Yuji Horii, Erfinder von Dragon Quest, hat einen spielbaren Prototyp veröffentlicht, den er eigenen Angaben zufolge in weniger als einer Stunde allein mithilfe von KI-Prompts erstellt hat. Der 72-Jährige sieht darin einen Wendepunkt für die Spieleentwicklung.

Der japanische Spieleentwickler Yuji Horii, Erfinder der Rollenspielreihe Dragon Quest, hat einen neuen, spielbaren Prototypen vorgestellt, den er nach eigenen Angaben in weniger als einer Stunde erstellt hat. Das berichtet das US-Spielemagazin GameSpot. Bei dem Titel handelt es sich um ein schlichtes textbasiertes Verhörspiel, das kostenlos im Browser gespielt werden kann. Horii zufolge entstand das gesamte Spiel allein durch die Eingabe von Anweisungen an eine KI.

Der 72-Jährige teilte das Ergebnis auf der Plattform X und zog einen Vergleich zu seinen Anfängen in der Branche. Als er vor Jahrzehnten «The Portopia Serial Murder Case» für den PC entwickelte, habe er die Geschichte selbst geschrieben, die Bilder selbst gezeichnet und die Programmierung eigenständig übernommen. Heute reiche es aus, der KI Anweisungen zu geben, um ein anständiges Spiel zu erstellen, selbst wenn man weder zeichnen noch programmieren könne. Horii gilt seit langem als Befürworter des Einsatzes von KI in der Spieleproduktion. Bereits im vergangenen Jahr hatte er in einem Interview erklärt, generative KI in seine künftigen Spiele integrieren zu wollen.

Horii arbeitet seit der Gründung der Reihe an jedem Hauptteil von Dragon Quest mit. Sein Unternehmen Armor Project ist Miteigentümer der Marke. Der aktuelle Prototyp ist nicht das erste Projekt, bei dem Dragon Quest und KI zusammengebracht werden. Bereits Anfang des Jahres hatte der Publisher Square Enix eine Partnerschaft mit Google angekündigt, um einen KI-gestützten Begleiter für Spieler von Dragon Quest X einzuführen. Der Chatbot mit dem Namen Chatty Slimely soll Hilfestellungen per Text- und Sprachchat geben, bleibt vorerst aber dem japanischen MMO vorbehalten. Horii selbst war an dieser Initiative nicht beteiligt.

Die Diskussion über KI in der Spieleentwicklung gewinnt derzeit branchenweit an Fahrt. Wie das US-Magazin IGN unter Berufung auf einen Bericht von Bloomberg meldet, hat Epic Games die Arbeiten an einem bislang unangekündigten Crossover-Shooter mit Star Wars und Marvel verschoben. Grund sei eine interne Umstellung auf ein «AI first»-Produktionsmodell. Entwickler des Projekts sollen demnach angehalten sein, Werkzeuge wie den KI-Assistenten Claude von Anthropic zu nutzen, wobei die menschliche Aufsicht bestehen bleibe. In einer internen Nachricht eines Projektverantwortlichen heißt es laut Bloomberg, es werde keinen handgeschriebenen Code mehr geben und alle Kunst für das Spiel solle über vollständige KI-Workflows generiert werden.

Epic-Chef Tim Sweeney bestätigte auf X einen «großen Umbau» und erklärte, das Unternehmen verschiebe Entwickler, um die KI-Beschleunigung zu maximieren. Ziel sei nicht, dieselbe Arbeit mit weniger Personal zu erledigen, sondern allen Mitarbeitern zu ermöglichen, mehr und bessere Inhalte zu erstellen. Als größte Veränderung nannte er die deutlich kürzere Zeit von einer Idee bis zum Playtest. Viele jüngere AAA-Fehlschläge ließen sich darauf zurückführen, dass Spielsysteme über weite Strecken der Entwicklung nicht spielbar getestet werden konnten. Der Bericht über die Verschiebung des Star-Wars-und-Marvel-Projekts folgt auf eine frühere Bloomberg-Meldung, wonach Epic an einem Extraction-Shooter mit Disney-Figuren arbeitet. Disney hält seit 2024 eine Beteiligung von 1,5 Milliarden Dollar an Epic, dementierte zuletzt aber Berichte über eine vollständige Übernahme des Studios.

Die Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Studios auf die neuen Möglichkeiten reagieren. Während Horii die Geschwindigkeit lobt, mit der aus einer Idee ein spielbarer Prototyp wird, setzen große Häuser wie Epic auf eine grundlegende Umstellung ihrer Produktionsabläufe. Für junge Entwicklerinnen und Entwickler bedeutet das vor allem eines: Der Umgang mit KI-Werkzeugen wird zunehmend zur praktischen Grundfertigkeit, ohne dass klassische Fähigkeiten wie Erzählen, Design und Spielgefühl an Bedeutung verlieren.

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