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Welthungerhilfe-Chef Mogge: Gaza bleibt nach fünf Tagen im Ausnahmezustand

Nach fünf Tagen im Gazastreifen schildert Welthungerhilfe-Generalsekretär Mathias Mogge eine fragile Lage: Familien hausen auf engstem Raum, Hilfslieferungen stocken seit Monaten, und der nahende Winter könnte die Not verschärfen. Im Interview beschreibt er bürokratische Hürden, anhaltende Explosionen trotz Waffenruhe und die Grenzen humanitärer Hilfe.

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung unter der redaktionellen Verantwortung von Haydamax OÜ erstellt.

Der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Mathias Mogge, hat nach einem fünftägigen Aufenthalt im Gazastreifen eine ernüchternde Bilanz gezogen. Fast ein Jahr nach Beginn der Waffenruhe bleibt die Lage in dem weitgehend abgeschotteten Gebiet fragil. Mogge traf Familien in Flüchtlingslagern, besuchte Gesundheitszentren und sprach mit Bauern. Seine Eindrücke schildert er im Gespräch mit t-online.

Besonders bewegend war für ihn die Begegnung mit einer Mutter und ihren Töchtern in einem Zeltlager. Auf etwa acht Quadratmetern leben dort teilweise zehn bis 15 Menschen. Eine junge Frau erzählte ihm unter Tränen, sie habe vor dem Krieg kurz vor ihrem Studienabschluss gestanden. Für das Zertifikat müsse sie nun 3.000 Dollar zahlen, doch sie habe kein Geld. Ohne den Abschluss könne sie nicht arbeiten und ihre Familie nicht unterstützen. «Fast jeder hat ein Schicksal, das kaum lösbar erscheint. Die Menschen sitzen dort in der Falle», sagte Mogge. Für Frauen sei auch der nächtliche Gang zur Toilette gefährlich – wegen wilder Hunde und aus Angst vor Übergriffen.

Mit Blick auf den bevorstehenden Winter äußerte Mogge große Sorge. Laut der UN-Koordinierungsstelle OCHA leben 65 Prozent der Haushalte in Zelten. Viele Planen seien beschädigt, manche Zelte stünden seit Jahren. Einige Camps lägen in Senken oder direkt am Strand. Bei starkem Regen drohten Überschwemmungen, Drainage fehle fast überall. Hinzu komme das Wetterphänomen El Niño, das im kommenden Herbst und Winter stärkere Regenfälle begünstigen könnte. «Für die Menschen in diesen provisorischen Lagern wäre das fatal», warnte Mogge.

Um die Situation zu verbessern, müssten noch vor dem Winter neue Planen und stabilere Zeltstangen geliefert werden. Tiefer gelegene Camps bräuchten Schutz vor Wasser. Doch viele Materialien seien kaum verfügbar oder sehr teuer. Die Menschen könnten das nicht allein leisten.

Die Einfuhr von Hilfsgütern gestaltet sich laut Mogge äußerst schwierig. Zuletzt habe die Welthungerhilfe Anfang 2025 eigene Lkw-Ladungen in den Gazastreifen gebracht – seitdem nicht mehr. Man habe Anträge bei israelischen und jordanischen Behörden gestellt. Die israelische Seite habe die Genehmigung erteilt, doch nun verlangten die jordanischen Behörden weitere Nachweise. «Dahinter steckt eine enorme Bürokratie», so Mogge. Die Vereinten Nationen hätten es etwas leichter, ihre Lieferungen seien die Lebenslinie für die Menschen.

Auf die Frage, ob humanitäre Hilfe bewusst erschwert werde, sagte Mogge, ob Absicht dahinterstecke, sei schwer zu sagen. Klar sei aber, dass militärische Erwägungen Vorrang hätten. Zunächst werde geprüft, ob ein Gut militärisch nutzbar sein könnte, erst danach komme die Versorgung der Menschen. Viele Güter würden als «Dual Use» eingestuft und deshalb streng kontrolliert.

Einflussnahme durch die Hamas oder andere bewaffnete Gruppen auf die Arbeit der Welthungerhilfe habe er nicht erlebt. Auf den Straßen habe er keine bewaffneten Patrouillen, keine Polizei, kein israelisches Militär und keine palästinensischen Milizkämpfer gesehen. Er habe bewusst darauf geachtet, räumte aber ein, dass fünf Tage ein kurzer Aufenthalt seien.

Trotz der offiziellen Waffenruhe, die seit fast einem Jahr gilt, wird nach Mogges Schilderung weiter gekämpft. Jede Nacht habe man Explosionen gehört, auch Schüsse und Schusswechsel. Bei heftigen Detonationen in der Nähe habe das ganze Haus gewackelt. «Man fühlt sich nicht wirklich sicher», sagte Mogge. Viele Menschen schienen sich an die Geräusche gewöhnt zu haben. Für sie sei die permanente Überwachung durch Drohnen eines der geringeren Probleme.

Bei der Versorgung mit Lebensmitteln gab es laut Mogge seit Anfang des Jahres zwar Verbesserungen, doch die Lage bleibe angespannt. Die Menschen seien weiterhin auf Hilfe angewiesen. Der Welthungerhilfe-Chef betonte, dass humanitäre Organisationen an ihre Grenzen stießen, solange die bürokratischen Hürden und die unsichere Lage anhielten.