Die USA wählen am 3. November einen Großteil ihres Kongresses neu. Bei den Zwischenwahlen – den sogenannten Midterms – werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und etwa ein Drittel der 100 Sitze im Senat vergeben. Aktuell verfügen die Republikaner von Präsident Donald Trump in beiden Kammern über eine Mehrheit. Zahlreiche Umfragen deuten jedoch darauf hin, dass die Demokraten insbesondere im Repräsentantenhaus die Mehrheit zurückgewinnen könnten.
Das Repräsentantenhaus wird alle zwei Jahre vollständig neu gewählt. In der laufenden Wahlperiode liegt die Mehrheit der Republikaner bei 219 zu 214 Sitzen, zwei Sitze sind nach Rücktritten vakant. Das Umfrageportal RealClear Polling, das verschiedene Erhebungen zusammenfasst, geht derzeit von einem Sieg der Demokraten aus. Demnach können die Demokraten mit 226 Sitzen fest rechnen, die Republikaner mit 189. In 20 Wahlkreisen gilt das Rennen als offen. Andere Umfragen sehen 40 bis 50 umkämpfte Sitze. Für eine Mehrheit sind mindestens 218 Sitze nötig, die die Demokraten laut dem Portal erreichen sollten.
Im Senat werden bei den Midterms nicht alle Sitze neu vergeben. Von den 100 Sitzen – zwei pro Bundesstaat – stehen diesmal 35 zur Wahl. 33 davon sind regulär, hinzu kommen zwei Sonderwahlen in Florida und Ohio. Diese wurden nötig, weil die Senatoren JD Vance und Marco Rubio in die Regierung wechselten. Ihre Nachfolger wurden ernannt und müssen sich nun vorzeitig einer Wahl stellen. Die reguläre Amtszeit eines Senators beträgt sechs Jahre.
Derzeit haben die Republikaner im Senat eine Mehrheit von 53 zu 47. Um die Mehrheit zu übernehmen, müssten die Demokraten alle ihre Sitze halten und mindestens vier zusätzliche gewinnen. Bei einem Gleichstand von 50 zu 50 könnte Vizepräsident Vance als Präsident des Senats mit abstimmen und den Republikanern die Mehrheit sichern.
Aktuelle Umfragen sehen im Senat ein Kopf-an-Kopf-Rennen. RealClear Polling geht davon aus, dass beide Parteien jeweils 46 Sitze sicher haben. Eine gute Siegchance rechnet das Portal den Demokraten in North Carolina aus, wo der Republikaner Thom Tillis nicht mehr antritt und der Demokrat Roy Cooper in Umfragen vorn liegt. Ein Wechsel dieses Sitzes wäre möglich. In neun Bundesstaaten sieht das Portal keinen Favoriten: Texas, Kansas, Nebraska, Iowa, Minnesota, Michigan, Ohio, Maine und Alaska. Zwei dieser Staaten werden von Demokraten gehalten, sieben von Republikanern. Viele gelten traditionell als republikanisch geprägt – den letzten demokratischen Senator in Texas gab es vor mehr als 30 Jahren, in Kansas wurde zuletzt 1930 ein Demokrat in den Senat gewählt.
Ob die Zwischenwahl bereits entschieden ist, lässt sich nicht sagen. Umfragen sind mit Unsicherheiten behaftet und lagen in der Vergangenheit mitunter deutlich daneben. Vor der Präsidentschaftswahl 2016 galt ein Sieg von Donald Trump als unwahrscheinlich, er setzte sich jedoch deutlich gegen Hillary Clinton durch. Auch bei den Midterms 2022 hatten die Umfragen einen klaren Sieg der Republikaner vorhergesagt. Stattdessen bauten die Demokraten ihre Mehrheit im Senat leicht aus und verloren im Repräsentantenhaus nur knapp.