Das Bündnis „Gen Z regelt“ wirft der Bundesregierung vor, die Zukunft junger Menschen zu verspielen. In einem Brandbrief an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und das Kabinett fordert die Gruppe, endlich zugehört zu werden. Am Samstag wollen die Unterstützer in über 20 Städten auf die Straße gehen, nach eigenen Angaben friedlich, aber laut und entschlossen.
Das am Mittwoch im Internet veröffentlichte Schreiben beginnt mit dem Satz „Es reicht uns!“. Die Verfasser beschreiben sich als Schülerinnen und Schüler, Auszubildende, Studierende und junge Berufstätige. „Wir sind die Zukunft dieses Landes und wir können nicht länger dabei zusehen, wie Sie unsere Zukunft verspielen“, heißt es darin. Die Sparpolitik der Bundesregierung nehme ihnen „jede Hoffnung“. Die zentrale Forderung lautet: „Hören Sie uns endlich zu!“
Die Verfasser warnen zudem vor Folgen für die Demokratie. Wenn eine ganze Generation erlebe, dass sie nur gebraucht, aber nie gefördert werde, verliere sie das Vertrauen in die Demokratie. Genau dazu führe die Politik der Bundesregierung „auf dem Rücken der jungen Generation“.
Der Brief zählt auf, was die jungen Menschen belastet: marode Schulen, zu wenig Lehrpersonal, die Klimakrise, der Krieg in Europa, steigende Preise sowie Wehrdienst und Musterung. All das geschehe, ohne dass die Regierung zuhöre, Ängste ernst nehme und Einwände einbeziehe. Als Beispiele nennt das Schreiben die Renten von morgen, fehlende Fachkräfte und gestrichene Programme der Kinder- und Jugendhilfe. Darin heißt es in Großbuchstaben: „Ihre Politik fährt unsere Zukunft gegen die Wand!“
Das Bündnis erhebt konkrete Forderungen. Gefordert werden Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie statt Kürzungen sowie ein bezahlbares Leben, dessen Sorgen „ganz oben auf die Tagesordnung“ gehörten. Lasten sollen gerecht verteilt werden, statt bei der jungen Generation zu sparen. Die Gruppe lehnt die Wehrpflicht ab: „Über unsere Zukunft entscheidet niemand ohne uns.“ Zudem verlangt sie den Schutz der Grundrechte statt eines weiteren Ausbaus der Überwachung und einen konsequenten Klimaschutz jetzt, „damit wir eine Zukunft haben“.
Am Samstag wolle man „für Gerechtigkeit, gegen Spaltung und für eine Zukunft, in der alle Generationen zählen“ protestieren. „Wir gehen raus. Wir bleiben friedlich. Wir bleiben laut“, schreibt das Bündnis. Es bezeichnet sich als überparteilich und will solidarisch auf die Straße gehen. Diskriminierung jeder Art habe dort keinen Platz. Man stehe für eine demokratische Gesellschaft, „in der alle gleich viel zählen – auch die junge Generation“.
Unterzeichnet haben den Brief unter anderem Heidi Reichinnek, Co-Vorsitzende der Linken-Fraktion, und die Grünen-Bundestagsabgeordnete Ricarda Lang. Auch der Musiker, Komponist, Autor und Schauspieler Bela B steht auf der Liste. Weitere Unterzeichner sind die Lehrerin und Autorin Gina Waibel, der Journalist und Autor Marc Raschke, die Aachener Grünen-Parteivorsitzende Astrid Vogelheim, der Comedian und Moderator Lennard Rosar sowie Ruben Neugebauer von LeaveNoOneBehind.
Der Protestforscher Jannis Julien Grimm vom Zentrum für interdisziplinäre Friedens- und Konfliktforschung der Freien Universität Berlin rechnet mit eher friedlichen Protesten am Samstag. Ausschreitungen wie in Frankreich hält er für unwahrscheinlich. „Erstens hat sich in Deutschland eine deutlich weniger konfrontative Protestkultur etabliert“, erklärte Grimm der Deutschen Presse-Agentur. Konfrontative Protestformen würden in der Gesellschaft vergleichsweise wenig akzeptiert, weshalb Bewegungen mit solchen Aktionsformen wenig zu gewinnen hätten.
Auch die Polizeistrategien unterscheiden sich laut Grimm erheblich. Die französische Polizei gehe bei größeren Protestkonfrontationen traditionell deutlich brutaler vor, dort kämen regelmäßig Tränengasgranaten und Gummigeschosse zum Einsatz. Diese gehörten in Deutschland glücklicherweise nicht zum üblichen Repertoire der Polizei. Auch beim Einsatz von Wasserwerfern oder körperlicher Gewalt sei die Hemmschwelle hierzulande höher.