In der neuesten Folge von Star Trek: Strange New Worlds mit dem Titel «Orders of Magnitude» kehrt die Serie nach mehreren experimentellen Konzeptfolgen zu einer klassischen Erzählstruktur zurück. Admiral Simon Reeger, gespielt von Joe Morton, taucht unerwartet mit einem Shuttle auf der Enterprise auf und übernimmt das Kommando, während Captain Pike und sein Away-Team sich außerhalb der Kommunikationsreichweite auf einem Planeten befinden. Reeger behauptet, eine Methode entdeckt zu haben, um ein getarntes feindliches Schiff zu verfolgen, das für das sogenannte Vardan-Massaker mit fünf Millionen zivilen Opfern verantwortlich sein soll. Seine Spur basiert auf der Gammastrahlung der Impulsantriebe des Schiffes.
Da die Zeit drängt, übernimmt Reeger sofort das Kommando über die Enterprise. Zufällig – oder auch nicht, da er häufig an Bord ist – befindet sich Lt. Commander James T. Kirk an Bord. Kirks Vater George Kirk diente einst als Erster Offizier unter Reeger auf der USS Constitution während des Klingonenkrieges. In der Schlacht von Zeta Reticuli wurde Reeger als Kriegsheld gefeiert, während die Karriere des älteren Kirk ins Stocken geriet. Als ranghöchster Offizier nach Reeger muss Kirk vorübergehend den Posten des Ersten Offiziers übernehmen.
Morton verkörpert Reeger überzeugend als charismatischen Befehlshaber, der sofort Respekt und Bewunderung hervorruft. Die Crew der Enterprise verehrt ihn, selbst als sein Plan, das feindliche Schiff auszuschalten, zunehmend fragwürdig erscheint. Die zentrale Frage der Folge ist, ob Reegers Entscheidungen gerechtfertigt sind. Es stellt sich heraus, dass Reegers Familie unter den fünf Millionen Opfern des Vardan-Massakers war. Dennoch bleibt fraglich, ob dies den Angriff auf einen Planeten mit fünftausend Menschen rechtfertigt, auf dem sich das gesuchte Schiff versteckt. Kirk kann diese Logik nicht nachvollziehen und gerät in Konflikt mit Reeger, ähnlich wie sein Vater Jahre zuvor auf der Constitution.
Die Folge greift ein vertrautes Motiv auf, das bereits in früheren Star-Trek-Serien behandelt wurde, etwa in der Original-Serie mit Commodore Decker oder in «The Next Generation» mit Captain Ben Maxwell. Wie sich herausstellt, war es damals George Kirk, der in der Schlacht die entscheidende Initiative ergriff, während Reeger den Ruhm erntete. Paul Wesley zeigt als Jim Kirk eine Entwicklung, die ihn als Charakter glaubwürdig macht, insbesondere durch seine Weigerung, blind zu gehorchen. Allerdings wird die Crew – einschließlich Spock – in kein gutes Licht gerückt, da sie bereit scheint, potenziell unschuldige Leben zu opfern, getrieben von ihrer Bewunderung für Reeger.
Die größte Enttäuschung der Episode ist der sogenannte Cordrazin-Ausweg. Dr. M’Benga behauptet, seinen alten Captain unter Drogen gesetzt zu haben, doch später stellt sich heraus, dass Kirk ihn betäubt hat, um Reeger paranoisch und aggressiv erscheinen zu lassen, damit die Crew ihn entmachtet. Dadurch bleibt die Frage unbeantwortet, ob der Angriff gerechtfertigt gewesen wäre. Die Crew wählt den einfachen Weg, was die moralische Ambivalenz der Geschichte abschwächt.
Parallel erleben Pike und sein Away-Team auf einem lebensfeindlichen Planeten ein Abenteuer mit Orion-Piraten. Uhura, gespielt von Celia Rose Gooding, bekommt die Chance, sich im Kampf zu beweisen, wird befördert und lernt eine wertvolle Lektion, als ihr Schützling, die Vulkanierin A'Sha, die Sternenflotte verlässt. Pike erklärt ihr, dass man alles richtig machen kann und es trotzdem nicht immer gut ausgeht. Diese Lektion hätte auch auf Reegers Handlungsstrang besser angewendet werden können. Die Folge lässt einige Fragen offen, etwa wer hinter dem Vardan-Massaker steckt und ob die Handlung in dieser Staffel weiterverfolgt wird.