Eine kritische Sicherheitslücke in der weit verbreiteten Programmiersprache PHP hat dazu geführt, dass in Rheinland-Pfalz und im Saarland zahlreiche Webseiten vorsorglich offline genommen wurden. Wie der IT-Beauftragte der rheinland-pfälzischen Landesregierung, Fedor Rose, mitteilte, entschied sich das Land, alle Internetseiten abzuschalten, die die betroffene Software verwenden. In Saarbrücken sind nach Angaben der Stadt unter anderem das städtische Webportal sowie die Internetauftritte der Stadtwerke, der Saarbahn und des Zentralen Kommunalen Entsorgungsbetriebs (ZKE) nicht erreichbar.
Hintergrund der Abschaltungen ist eine Sicherheitswarnung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Die Schwachstelle wird von den zuständigen Fachleuten der Sicherheitsbehörden als hochkritisch eingestuft. Angreifer könnten sie aus der Ferne ausnutzen, um Schadcode auf Webservern mit PHP-Anwendungen auszuführen und IT-Systeme zu kompromittieren. PHP bildet die technische Grundlage eines großen Teils des Internets – von einfachen Blogs über Nachrichtenportale bis hin zu Onlineshops und Content-Management-Systemen wie WordPress.
Die betroffenen Stellen arbeiten nach eigenen Angaben mit Hochdruck daran, die Systeme abzusichern. Sobald Sicherheitsupdates eingespielt und ein sicherer Betrieb gewährleistet sei, sollten die Webseiten wieder erreichbar sein, hieß es. Für die abgeschalteten Seiten in Rheinland-Pfalz gilt laut Rose, dass zentral zwischengespeicherte Inhalte vorübergehend weiterhin abrufbar sein können. Danach werde eine Fehlermeldung angezeigt. Es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass Dritte die Schwachstellen bereits ausgenutzt hätten.
Die Landeshauptstadt Saarbrücken teilte mit, sie habe die betroffenen Online-Dienste vorsorglich abgeschaltet, um mögliche Sicherheitsrisiken für die städtischen IT-Systeme zu vermeiden. Die Stadt bleibe telefonisch und per E-Mail erreichbar. Aktuelle Informationen würden über ihre Social-Media-Kanäle verbreitet. Auch in Baden-Württemberg hatte die Landesregierung ihre Webseiten vorübergehend vom Netz genommen. Die Homepages der Ministerien und Regierungspräsidien waren seit der Mittagszeit nicht mehr zugänglich, teils waren dort Hinweise auf Wartungsarbeiten zu lesen. Das Staatsministerium erklärte, die Maßnahme diene dem vorsorglichen Schutz der Infrastruktur, bis die Entwickler die erforderlichen Sicherheitsupdates bereitstellen.
Der baden-württembergische Innenminister Manuel Hagel (CDU) sagte, ein Weiterbetrieb betroffener, mit dem Internet verbundener Systeme ohne wirksame Schutzmaßnahmen wäre nicht vertretbar. «Sicherheit hat für uns Vorrang vor Verfügbarkeit», betonte Hagel. Der Vorfall zeige erneut, dass sich die Cybersicherheitslage weiter verschärfe. Insbesondere die zunehmenden Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz würden die Geschwindigkeit und Qualität von Cyberangriffen weiter erhöhen. Man müsse deshalb jederzeit in der Lage sein, exponierte Systeme bei akuten Gefährdungen kurzfristig vom Netz zu nehmen, um Schaden abzuwenden.
Auch mehrere Universitäten und Universitätskliniken nahmen ihre Seiten vorsorglich offline. Ein Sprecher der Uniklinik Freiburg sagte, auf den Betrieb habe dies keine Auswirkungen. Die Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim teilten mit, es handle sich nicht um einen Cyberangriff auf die IT-Systeme der Einrichtungen, sondern um eine präventive Sicherheitsmaßnahme. Die Patientenversorgung sei nicht betroffen. Die Webseiten sollen nach dem Einspielen der Updates wieder freigeschaltet werden.