Die jüngsten Entscheidungen aus Washington stärken nach Einschätzung der Redaktion die Position des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Während Moskaus Armee an der Front kaum Fortschritte erzielt und das Land seit fast fünf Jahren Krieg führt, erhält der Kremlchef von den USA politischen Rückenwind. US-Präsident Donald Trump macht Zugeständnisse, und sein Berater Steve Witkoff bezeichnet Putin als „Humanisten“.
Hintergrund ist nach dem Bericht vor allem der innenpolitische Druck in den Vereinigten Staaten. Am 3. November stehen dort die Zwischenwahlen an, und die Umfragewerte für Trumps Republikaner gelten als schlecht. Der Krieg gegen den Iran hat die Energiepreise steigen lassen, besonders der teure Diesel belastet die Amerikaner. Die Regierung braucht deshalb billigen Sprit, und genau dafür komme die Lage Putin gelegen.
Washington erleichtert demnach bestimmte Geschäfte mit russischen Energieträgern und verschiebt weitere Sanktionen gegen Russland. Gleichzeitig verlangt Trump von der Ukraine, ihre Angriffe auf russische Raffinerien einzuschränken. Die Kritik lautet, dass Russland ukrainische Kraftwerke zerstört, während die Ukraine russische Ölanlagen nicht mehr angreifen soll, damit der Dieselpreis in Amerika nicht steigt.
Nach ukrainischen Angaben übt die US-Regierung zudem Druck auf Kiew aus. Die Lieferung von Flugabwehrraketen soll verzögert und die Dienste Starlink sowie Starshield zeitweise abgeschaltet worden sein. Besonders Starshield, das militärisch genutzte Satellitennetzwerk, warne die ukrainische Bevölkerung vor anfliegenden Raketen und Drohnen. Fällt es aus, können sich Menschen nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen.
Auch in Europa wächst der Druck auf die Regierungen. Die Hilfe für Kiew kostet Milliarden, während in Deutschland über Einsparungen bei Renten, Pflege und Sozialleistungen gestritten wird. Immer mehr Bürger fragten sich, warum für die Ukraine Geld vorhanden sei, während zu Hause gespart werden müsse.
Die Redaktion warnt, dass gerade der ungeduldige Westen den Krieg verlängern könnte. Solange Putin glaube, die Unterstützung für die Ukraine breche bald zusammen, werde er versuchen, seine Kriegsziele zu maximieren. Ein russischer Sieg würde Europa nach dieser Einschätzung nicht sicherer machen, und Deutschland müsste womöglich noch mehr für seine Verteidigung ausgeben. Offen bleibt, ob Trump die Ukraine zur Aufgabe zwingen kann und ob die russischen Gesprächsangebote tatsächlich einen Schritt in Richtung Frieden bedeuten.
Parallel meldeten die Vereinigten Staaten und Russland nach einem gesonderten Bericht eine befristete Waffenruhe für die von Russland besetzte Stadt Oleschky im Süden der Ukraine. Sie soll Hilfslieferungen und die Evakuierung von Zivilisten ermöglichen. Die ukrainische Armee sagte ihre Unterstützung für eine humanitäre Mission zu, wobei der Zeitpunkt des Inkrafttretens zwischen den Seiten strittig blieb.