Papst Leo XIV. hat am Freitagabend in der Kathedrale Notre-Dame in Paris die Vesper gefeiert und dabei an die Katholiken appelliert, ihre liturgischen Auseinandersetzungen zu überwinden. In seiner Ansprache forderte er die Gläubigen auf, die Einheit des Volkes Gottes zu pflegen und jede kirchliche Strömung an der Gemeinschaft mit Rom auszurichten. Es war der erste Besuch eines Papstes in der Kathedrale seit ihrer Wiedereröffnung Ende 2024.
Der Papst war zuvor auf dem Weg durch die französische Hauptstadt von zahlreichen Menschen begeistert empfangen worden. Nach einem Besuch im Élysée-Palast und einem Auftritt bei der UNESCO erlebte er am späten Nachmittag seinen ersten großen öffentlichen Empfang in Frankreich. Die Menschenmenge säumte die Straßen, als er im Papamobil zur Kathedrale fuhr. Vor dem versammelten Klerus sprach Leo XIV. während der Vesper die sogenannte Monition, eine feierliche Ermahnung, in der er zur Einheit mahnte.
In seiner Ansprache griff der Papst die unterschiedlichen liturgischen Sensibilitäten innerhalb der katholischen Kirche auf. Er rief dazu auf, diese Spannungen nicht als Trennlinien zu begreifen, sondern sie in die Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom einzubinden. Damit setzte er ein deutliches Zeichen für die Einheit der Weltkirche, die in den vergangenen Jahren durch Debatten über die Liturgie und die Ausrichtung einzelner Gemeinschaften belastet worden war.
Die Vesper in Notre-Dame war ein Höhepunkt des ersten Tages der Frankreichreise von Leo XIV. Die Kathedrale war nach dem verheerenden Brand von 2019 aufwendig restauriert und Ende 2024 wieder für den Gottesdienst geöffnet worden. Der Papst würdigte die «Pracht» des wiederhergestellten Gotteshauses und sagte, an diesem Ort schlage «das Herz eines Volkes». Es ist das erste Mal, dass ein Papst die Kathedrale nach ihrer Wiedereröffnung besucht.
Nach dem Ende der Vesper traf Leo XIV. vor Notre-Dame mit dem Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire zusammen. Anschließend wollte er seine erste Besuchstag in Frankreich im Stade de France abschließen. Die Reise führt den Papst damit von den politischen und kulturellen Institutionen der Hauptstadt über die kirchliche Mitte bis zu einem großen öffentlichen Abschluss im Stadion.
Die Vesper in Notre-Dame stand ganz im Zeichen der Einheit. Der Papst verband die Feier in der frisch restaurierten Kathedrale mit einem klaren Appell an die katholische Kirche, sich nicht in inneren Streitigkeiten zu verlieren. Für die Gläubigen in Frankreich und darüber hinaus war der Abend ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Kirche nach den Jahren des Wiederaufbaus der Kathedrale auch innerlich zusammenfinden soll.