Microsoft hat einer Gruppe ausgewählter Xbox-Nutzer eine Umfrage zu einer möglichen Änderung seiner Exklusivstrategie vorgelegt. Das berichtet Windows Central und bestätigt die Echtheit der Umfrage. Darin wird unter anderem das Szenario beschrieben, alle künftigen Spiele aus Xbox-eigenen Franchises mit Ausnahme von Call of Duty exklusiv für Xbox-Konsolen zu veröffentlichen. Die Umfrage richtet sich an Mitglieder des Xbox Insider Programms.
Besonders brisant ist eine Frage zu Minecraft. In dem Szenario wären bestehende Titel der Marke nicht mehr für PlayStation- oder Nintendo-Konsolen erhältlich und würden keine neuen Inhalte mehr erhalten. Bereits gekaufte Spiele und Inhalte sollen jedoch nutzbar bleiben. Auf dem PC soll sich laut Umfrage nichts ändern. Die Teilnehmer werden gefragt, wo sie exklusive Inhalte am ehesten spielen würden – auf einer vorhandenen Xbox, einer neu gekauften Xbox Series X|S, einem PC, oder ob sie das Spiel überspringen würden, weil es auf ihrer bevorzugten Konsole nicht verfügbar ist.
Eine weitere Seite der Umfrage befasst sich konkret mit Fallout. Gefragt wird, wie Nutzer reagieren würden, wenn künftige Fallout-Spiele exklusiv für Xbox-Konsolen erscheinen, während der PC unverändert bleibt. Dieselben Fragen wurden laut Windows Central auch zu The Elder Scrolls, Doom, Physint, Diablo und Minecraft gestellt. Die Umfrage ist rein hypothetisch und stellt keine offizielle Ankündigung dar.
Hintergrund der Befragung ist eine Neuausrichtung, die Xbox-CEO Asha Sharma und Xbox-Chef Matt Booty in einem internen Memo angekündigt haben. Darin heißt es, man werde die Herangehensweise an Exklusivität «neu bewerten». Zudem wollen sie Änderungen beim sogenannten «Windowing» prüfen. Damit ist gemeint, dass Spiele möglicherweise nicht sofort zum Start in den Game-Pass kommen, sondern zeitversetzt – ähnlich wie Filme zunächst im Kino laufen, bevor sie digital verfügbar sind. Einem Bericht zufolge könnten davon auch Titel jenseits von Call of Duty betroffen sein.
Sharma hatte zuvor betont, dass Xbox Exklusivtitel brauche, um wieder Wachstum zu erzielen. Fans fordern seit Längerem eine Rückkehr zu exklusiven Spielen. Ob die Umfrage tatsächlich zu einer Strategieänderung führt, ist offen. Microsoft könnte schlicht das Stimmungsbild seiner Community erfassen wollen. Eine Umfrage dieser Art bedeutet nicht zwangsläufig, dass das Unternehmen die darin beschriebenen Schritte umsetzt. Zumal das «nukleare Szenario» – alle Nicht-Call-of-Duty-Spiele exklusiv für Xbox – finanziell riskant wäre, da Microsoft auf Einnahmen aus Verkäufen auf anderen Plattformen verzichten würde.
Die Umfrage ist Teil einer Reihe von Maßnahmen, mit denen Sharma die Xbox-Marke neu ausrichten will. Zu ihren bisherigen Entscheidungen zählen Massenentlassungen, Studioschließungen und Spielabsagen. Zudem räumte sie ein, dass die große Game-Pass-Wette nicht aufgegangen sei. In diesem Sommer hatte Xbox angekündigt, dass Gears of War: E-Day und Clockwork Revolution dauerhaft exklusiv für Xbox und PC erscheinen sollen. Eine umfassende Rückkehr zur Exklusivität für alle Marken wäre ein deutlich größerer Schritt.
Ob Microsoft diesen Weg geht, hängt auch davon ab, wie die Umfrageergebnisse ausfallen und ob sie in konkrete Investitionen münden. Die Befragung liefert zunächst nur ein Stimmungsbild unter ausgewählten Nutzern. Klarheit über die künftige Exklusivstrategie von Xbox gibt es weiterhin nicht.