Die Fraktionschefin der Linken im Landtag von Sachsen-Anhalt, Eva von Angern, erwägt, im Rennen um das Amt der Ministerpräsidentin oder des Ministerpräsidenten gegen den AfD-Politiker Ulrich Siegmund anzutreten. Die Linke-Fraktion will am Dienstag über diesen Schritt beraten. Gelingt es der Linken, eine eigene Kandidatin aufzustellen, könnte die Wahl im Dezember eine echte Alternative zu Siegmund erhalten.
Siegmund strebt im Dezember die Wahl zum Ministerpräsidenten an, verfügt im Landtag aber nicht über die nötige Mehrheit. Ihm fehlen nach den vorliegenden Angaben drei Stimmen zur absoluten Mehrheit. Für die Wahl sind 42 Stimmen erforderlich, und zwar sowohl im ersten als auch im zweiten Wahlgang. Die Option, gegen Siegmund anzutreten, soll zunächst auf den ersten Wahlgang beschränkt bleiben. Eine eigene Kandidatur der Linken würde damit zuerst dort geprüft, bevor über weitere Schritte entschieden wird.
Hintergrund der Überlegungen ist das Ergebnis der Landtagswahl vom 6. September. Die AfD erreichte 43,8 Prozent und lag damit deutlich vor allen anderen Parteien. Die Linke kam auf 8,6 Prozent und landete auf dem fünften Platz. Von Angern war bereits 2021 Spitzenkandidatin ihrer Partei und trat nun erneut als Spitzenkandidatin an. Die Linke verfügt im Landtag über acht Sitze.
Von Angern ist Juristin mit einem Schwerpunkt auf soziale Gerechtigkeit. Im Parlament zählt sie zu den schärfsten Kritikerinnen der AfD. Ihre politische Linie und ihre Auseinandersetzung mit der AfD im Landtag bilden den Rahmen, in dem die Linke nun über eine eigene Bewerbung berät. Ob ihre Fraktion tatsächlich einen Gegenkandidaten oder eine Gegenkandidatin nominiert, ist nach den vorliegenden Informationen noch offen.
Ebenso ungewiss ist, ob Siegmund in einem der Wahlgänge genügend Stimmen erhält. Die Rechnung der Mehrheit hängt davon ab, wie sich die einzelnen Fraktionen verhalten. Auch die übrigen Parteien haben sich bereits positioniert. Die CDU-Fraktion plant, während der Abstimmung den Saal zu verlassen, wobei ein Abgeordneter der Union angekündigt hat, im Saal zu bleiben. Das BSW will sich bei der Wahl enthalten.
Die Entscheidungen der Fraktionen werden damit maßgeblich über den Ausgang der Wahl im Dezember bestimmen. Ob die Linke am Dienstag eine Kandidatur beschließt und ob Siegmund in einem der Wahlgänge die nötigen Stimmen erreicht, bleibt zunächst offen.