Eine Sendung mit Bauteilen des US-Kampfflugzeugs F-35 ist auf dem Weg von Australien in die Vereinigten Staaten nach Hongkong umgeleitet worden und gilt seither als verschwunden. Nach übereinstimmenden Berichten handelt es sich um Komponenten, die Rückschlüsse auf die Tarnkappentechnologie des Jets zulassen könnten. Sollten die Teile tatsächlich in die Hände chinesischer Stellen gelangt sein, wäre dies ein schwerwiegender Spionagefall mit sicherheitspolitischen Folgen.
Der F-35 gilt als das modernste Kampfflugzeug der Welt. Seine Radar- und Infrarotsignatur ist das Ergebnis jahrzehntelanger Forschung und gehört zu den am strengsten geschützten militärischen Geheimnissen der USA. Die nun verschwundenen Bauteile waren offenbar für eine Reparatur vorgesehen. Nach Angaben aus den Berichten wurden sie per Postversand auf den Weg gebracht, bevor sie in Hongkong umgeleitet wurden. Dort verliert sich ihre Spur.
Besonders brisant ist der Zeitpunkt: Erst kürzlich hat Deutschland die erste F-35 von den USA erworben. Der Vorfall dürfte daher auch in Berlin und bei den europäischen Partnern für Aufmerksamkeit sorgen, die auf die Lieferung und den Betrieb des Jets setzen. Die F-35 wird in mehreren Nato-Staaten als künftiges Rückgrat der Luftverteidigung geführt. Entsprechend sensibel sind Lieferketten, Wartungswege und der Umgang mit Ersatzteilen.
Was bislang bekannt ist, wirft Fragen zum Transport- und Sicherheitsprotokoll auf. Wie konnten derart sensible Komponenten auf dem Postweg versendet werden? Wer war an der Umleitung beteiligt? Und welche Stelle in Hongkong hat die Sendung entgegengenommen? Die Berichte deuten darauf hin, dass die Teile nicht nur mechanische Bauteile sind, sondern dass sich aus ihnen Informationen zur Tarnkappentechnologie ableiten ließen. Das unterscheidet den Fall von einem gewöhnlichen Diebstahl militärischer Ausrüstung.
Hongkong nimmt als Sonderverwaltungsregion Chinas eine besondere Stellung ein. Seit der Verschärfung des Sicherheitsgesetzes wird der Stadt eine enge Anbindung an die Zentralregierung in Peking zugeschrieben. Für westliche Sicherheitsbehörden gilt Hongkong daher als sensibler Ort, an dem Warenströme und Personenverkehr besonders aufmerksam beobachtet werden. Die Umleitung einer militärisch relevanten Sendung dorthin wäre ein Vorgang, der die bestehenden Kontrollmechanismen infrage stellt.
Der F-35 wird von dem US-Rüstungskonzern Lockheed Martin gebaut und in zahlreichen Varianten eingesetzt. Seine Tarnkappeneigenschaften beruhen auf speziellen Materialien, Beschichtungen und einer präzise abgestimmten Geometrie. Schon einzelne Bauteile können Fachleuten Hinweise auf Fertigungsverfahren und Materialzusammensetzung geben. Aus diesem Grund unterliegen Export, Transport und Wartung strengen Auflagen. Dass Teile offenbar per Post verschickt wurden, dürfte die Diskussion über die Sicherheit der Lieferkette befeuern.
Ob die Sendung tatsächlich in chinesische Hände gelangt ist, ist bislang nicht bestätigt. Die Berichte sprechen von einem Verdacht und davon, dass die Teile vermisst werden. Eine offizielle Bestätigung der US-Behörden oder des Herstellers steht aus. Sollte sich der Verdacht erhärten, wäre mit diplomatischen Konsequenzen zu rechnen. Die USA betrachten den Schutz militärischer Spitzentechnologie als zentrales Sicherheitsinteresse, insbesondere gegenüber China.
Für Deutschland ist der Fall auch deshalb relevant, weil die Bundeswehr die F-35 als Nachfolger für ältere Tornado-Jets beschafft. Die erste Maschine wurde bereits von den USA übernommen. Wartung und Ersatzteilversorgung laufen über internationale Logistikketten. Ein Vorfall wie dieser könnte den Druck erhöhen, Transportwege und Sicherheitsstandards zu überprüfen. Ob daraus konkrete Konsequenzen für die deutsche Beschaffung folgen, ist derzeit offen.
Die Aufklärung des Falls dürfte schwierig werden. Die Sendung ist verschwunden, und der Weg über Hongkong erschwert die Nachverfolgung. Sicherheitsexperten verweisen darauf, dass derartige Vorfälle selten vollständig aufgeklärt werden. Für die beteiligten Staaten geht es nun darum, den Schaden einzuschätzen und künftige Lieferungen besser zu sichern. Der Vorfall zeigt, wie verwundbar hochsensible Militärtechnik auf dem Transportweg sein kann.