Bei einem massiven russischen Angriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew sind nach Behördenangaben mindestens zwei Menschen getötet und schwere Schäden angerichtet worden. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete am Morgen, die Toten seien in den Trümmern von Garagen im östlichen Stadtteil Darnyzja gefunden worden. Zwei weitere Menschen konnten dort lebend geborgen werden.
Die russischen Streitkräfte setzten nach Angaben ukrainischer Militärblogs eine Vielzahl von ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen ein. Auch die Industriestädte Dnipro und Krementschuk wurden massiv beschossen. In der nordukrainischen Stadt Pryluki trafen Raketen einen mehrstöckigen Wohnblock. Die Polizei des Gebiets Tschernihiw meldete Tote und Verletzte, ohne eine genaue Zahl zu nennen.
In Kiew waren in den frühen Morgenstunden zahlreiche Explosionen zu hören. Ein Reporter des Portals «Kyiv Independent» berichtete: «Die Raketen schlagen eine nach der anderen ein. Soweit ich zählen kann, sind es mindestens zehn bis zwölf Explosionen. In der Innenstadt ist es ziemlich laut.» Klitschko sprach von einem Angriff auf Gebäude im Bezirk Obolon, die nicht zu Wohnzwecken genutzt werden. Im Bezirk Podil seien Lagerhallen getroffen worden.
Das russische Militär berichtete in Moskau von gezielten Angriffen auf Produktionsstätten des Raketen- und Drohnenproduzenten Fire Point in Kiew und anderen Städten. Bereits am Abend zuvor hatte es einen Drohnenangriff in der nordostukrainischen Großstadt Sumy gegeben. Die Nachrichtenagentur RBK Ukraine meldete unter Berufung auf den Bürgermeister einen Toten und mehrere Verletzte.
Der Großangriff fiel mit dem 74. Geburtstag des russischen Staatschefs Wladimir Putin zusammen, der den Angriffskrieg gegen die Ukraine führt. Die Ukrainer waren jedoch auf die Attacke vorbereitet. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Vorabend eindringlich vor einem bevorstehenden Angriff gewarnt.
Die Ukraine wehrt sich seit über viereinhalb Jahren gegen die Invasion der russischen Streitkräfte. Die jüngsten Angriffe zeigen, dass die russische Armee ihre Offensive auf ukrainische Städte und Infrastruktur unvermindert fortsetzt.