In Bosnien und Herzegowina haben die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen begonnen. Rund 3,4 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, das dreiköpfige Staatspräsidium und das Parlament des multiethnischen Landes zu wählen. Auch die Regionalregierung der Republika Srpska wird neu bestimmt.
Die Abstimmung gilt als eine der kompliziertesten der Welt. Das politische System des Landes ist das Ergebnis des Dayton-Abkommens von 1995, das den Krieg beendete und Bosnien und Herzegowina in zwei Entitäten teilte: die Föderation Bosnien und Herzegowina und die Republika Srpska. An der Spitze des Staates steht ein aus drei Mitgliedern bestehendes Präsidium, das je einen Bosniaken, einen Kroaten und einen Serben umfasst. Die Wähler stimmen daher nicht nur über Parteien ab, sondern auch über die Zusammensetzung der ethnisch besetzten Führungsgremien.
Um Wahlmanipulationen zu verhindern, müssen sich die Bürger in diesem Jahr erstmals vor der Stimmabgabe biometrisch ausweisen. In der Vergangenheit war es bei Wahlen wiederholt zu Unregelmäßigkeiten gekommen. Die neuen Sicherheitsmaßnahmen sollen die Identität der Wähler zweifelsfrei bestätigen und Mehrfachabstimmungen verhindern.
Überschattet werden die Wahlen von den separatistischen Bestrebungen der Führung der Republika Srpska. Deren Spitze strebt die Abspaltung des serbischen Landesteils von Bosnien und Herzegowina an. Diese Politik sorgt seit Jahren für Spannungen im Land und belastet auch das Verhältnis zu den internationalen Partnern. Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklung mit Sorge, da eine Abspaltung die fragile Stabilität der Region gefährden könnte.
Die Wahlen finden in einer angespannten politischen Atmosphäre statt. Die ethnischen Spannungen zwischen den Volksgruppen sind nach wie vor spürbar. Viele Bürger hoffen dennoch auf eine Regierung, die sich stärker um wirtschaftliche und soziale Probleme kümmert. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, besonders unter jungen Menschen, und die Korruption bleibt ein weit verbreitetes Problem.
Die Wahllokale sind seit dem Morgen geöffnet. Erste Ergebnisse werden im Laufe des Tages erwartet. Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und anderer internationaler Organisationen sind im Einsatz, um den ordnungsgemäßen Ablauf zu überwachen. Die Behörden haben die Bürger aufgerufen, ihr Wahlrecht wahrzunehmen.
Das Ergebnis der Wahlen wird auch darüber entscheiden, ob das Land seinen Weg in Richtung Europäische Union fortsetzen kann. Bosnien und Herzegowina ist seit 2022 offizieller Beitrittskandidat, doch die Reformen stocken. Die EU hat die politische Führung wiederholt aufgefordert, die institutionellen Blockaden zu überwinden und den Reformprozess voranzutreiben.