Paris erlebt an diesem Samstag zwei Ereignisse, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Auf der Place de la Concorde und entlang der Champs-Élysées versammelten sich nach Angaben der französischen Medien rund 800.000 Gläubige zur Messe von Papst Leo XIV. Nur wenige Kilometer entfernt, in der Plenitude Arena, bereitete sich zeitgleich Céline Dion auf ihr Konzert vor. Für zwei Freundinnen aus Haute-Savoie wurde dieser Tag zu einer ungewöhnlichen Doppelerfahrung.
Anaïs und Julie waren eigentlich wegen der kanadischen Sängerin nach Paris gekommen. Nach einem zermürbenden Kampf um Tickets hatten sie schließlich Plätze für das Konzert ergattert. Dass am selben Tag und nur eine gute halbe Stunde entfernt auch der Papst persönlich eine Messe feierte, war für sie zunächst nicht mehr als eine Randnotiz. Doch die Gelegenheit, ein so seltenes Ereignis mitzuerleben, wollten sie sich nicht entgehen lassen. «Es ist ein selteneres Ereignis, den Papst in Frankreich zu haben und Teil dieser Feier zu sein», sagte Anaïs.
So verschlug es die beiden Frauen am Vormittag zunächst auf die Avenue de la Grande-Armée, wo sie den Beginn der Messe verfolgten. «Es ist ziemlich ungewöhnlich, den Papst und Céline Dion am selben Tag zu sehen», scherzte Julie. Die beiden Freundinnen erlebten einen Moment der Gemeinschaft, doch ihre Gedanken kreisten bereits um den Abend. Nach der Predigt zählten sie vor allem die Lieder auf, die sie beim Konzert hören wollten: «J'irai où tu iras», «Prière païenne», «Mon Destin». Im Auto wollten sie die Texte noch einmal üben. «Wir werden mehr tanzen und schreien, was bei der Messe weniger der Fall ist», sagte Julie.
Die Messe von Papst Leo XIV. auf der Place de la Concorde war das zentrale religiöse Ereignis des Tages. Schon früh am Morgen waren zahlreiche Gläubige angereist, um einen Platz in der Nähe des Altars zu ergattern. Viele von ihnen verbanden mit dem Besuch des Pontifex eine Stärkung ihres Glaubens. «All diese Menschen, das stärkt unseren Glauben», beschrieb eine Teilnehmerin die Atmosphäre auf den Champs-Élysées. Die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Gelände waren umfangreich, der Andrang enorm.
Für Anaïs und Julie blieb der Besuch der Messe ein kurzes Zwischenspiel. Sie verließen das abgesperrte Areal, bevor die Zeremonie zu Ende war, denn ihr eigentliches Ziel lag woanders. «Das hat mich in eine gute Stimmung versetzt», sagte Anaïs über den unerwarteten Abstecher. Die beiden Frauen sind damit Teil eines Phänomens, das an diesem Samstag in Paris zu beobachten war: Die Stadt wurde gleichzeitig zum Schauplatz einer der größten religiösen Versammlungen Europas und eines popkulturellen Großereignisses. Zwischen Gebet und Popmusik lagen an diesem Tag nur wenige Kilometer – und für manche Besucher sogar nur wenige Stunden.