Wireva

London Fashion Week setzt auf Unterwäsche als Oberteil und neuen Glanz für Organza

Die Schauen für den Frühling 2027 in London zeigen acht wiederkehrende Trends: BHs und Korsetts werden offen getragen, Organza erlebt ein Update, und gedeckte Blautöne dominieren die Kollektionen. Die britischen Designer setzen dabei auf Farbspiel, Handarbeit und die Umdeutung klassischer Kleidungsstücke.

Die Modewoche in London hat für die Saison Frühling 2027 ihre wichtigsten Linien erkennen lassen. Britische Designer sind für ihren Mut, ihre Handwerkskunst und ihren Gestaltungswillen bekannt, und so überrascht es nicht, dass sich über die Laufstege hinweg gemeinsame Themen abzeichnen. Acht Trends stechen besonders hervor, und viele von ihnen kreisen um Farbspiel, die Umdeutung konventioneller Kleidungsstücke, den neuen Einsatz altbewährter Materialien und sichtbare Handarbeit.

Am auffälligsten ist der Trend, Unterwäsche als Oberbekleidung zu tragen. BHs und Korsetts sind auf den Laufstegen der Saison allgegenwärtig. Während Designer in New York BHs eher unter Jacken hervorblitzen ließen, rücken die Briten sie in den Mittelpunkt. Bei Agro Studio, Ashley Williams und Erdem wurden BHs und Korsagen über anderen Kleidungsstücken getragen. Andere Häuser wie Knwls, Alexander McQueen und Mowalola bedeckten sie kaum oder gar nicht.

Ein zweiter Trend betrifft Organza. Designer modernisieren den durchsichtigen Stoff, der auf eine 2000-jährige Geschichte zurückblickt und traditionell mit Brautkleidern und Rüschenkleidern für den Abschlussball verbunden war. Bei McQueen und Mulberry erscheint er in farbenfrohen, metallisch wirkenden Stücken, bei Mowalola und Lovebirds als entspannte, transparente Einzelteile. Pauline Dujancourt, Susan Fang und Simone Rocha nutzen innovative Techniken, um aus dem Material ausdrucksstarke, strukturierte Kleider und Schals zu fertigen.

Ein dritter Trend sind blasse, ausgewaschene Farben, wobei Blau am häufigsten vorkommt. Die Designer dämpften die Intensität von Babyblau, Himmelblau, Petrol und aquatischen Tönen und setzten sie bei Outerwear, Anzügen und Kleidern ein. Marken wie Ahluwalia, Agro Studio, Burberry, Charlie Constantinou, Paul Costelloe und Di Petsa zeigten diese zurückhaltende Farbpalette.

Die weiteren Trends der Saison drehen sich um die Subversion klassischer Kleidungsstücke, den Einsatz von Altbewährtem in neuem Kontext und sichtbare Handarbeit. Diese Handarbeit wirkt wie eine bewusste Abkehr von maschinell oder künstlich erzeugten Designs. Die britischen Designer verfolgen damit weniger das Ziel, Trends zu setzen, als vielmehr ihre kreative Haltung auszudrücken. Gerade deshalb lassen sich die wiederkehrenden Motive als gemeinsame Sprache der Londoner Modewoche lesen.

Für junge Modeinteressierte zeigt sich damit ein klares Bild: Die kommende Saison wird offener, transparenter und spielerischer. Klassische Vorstellungen davon, was als Ober- und was als Unterbekleidung gilt, werden verschoben. Gleichzeitig bleibt der Blick auf das Material und die Verarbeitung wichtig. Die Schauen in London machen deutlich, dass Mode nicht nur aus fertigen Looks besteht, sondern aus Ideen, die sich über die Kollektionen hinweg gegenseitig verstärken.

Same event, other desks

Story file →