Der Markt für Cheating in Videospielen hat nach Angaben von Activision ein Volumen von rund 8,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr erreicht. Das entspricht etwa 6,3 Milliarden britischen Pfund. Der Call-of-Duty-Hersteller hat erstmals eine detaillierte Aufschlüsselung der Zahlen veröffentlicht, die hinter dem Geschäft mit unfairen Spielvorteilen stehen.
Laut Activision setzt sich dieser Betrag aus mehreren Bereichen zusammen: dem Verkauf von Spielerkonten, sogenanntem Boosting — bei dem erfahrene Spieler gegen Bezahlung die Ranglistenpositionen anderer übernehmen — sowie Spoofing-Diensten, mit denen sich Sperren umgehen lassen. Diese drei Segmente bilden demnach die tragenden Säulen eines Milliardenmarkts, der parallel zur regulären Spieleindustrie existiert.
Die Zahl macht deutlich, dass Cheating längst kein Nischenphänomen mehr ist, sondern ein professionell organisiertes Geschäft. Für Publisher wie Activision bedeutet das nicht nur entgangene Einnahmen, sondern auch einen erheblichen Aufwand für die Bekämpfung. Anti-Cheat-Systeme, permanente Überwachung und rechtliche Schritte gegen Anbieter verursachen Kosten, während die Anbieter von Cheats und Boosting-Diensten selbst von der Nachfrage profitieren.
Besonders betroffen sind kompetitive Multiplayer-Titel wie Call of Duty, in denen Ranglisten, Turniere und teils hohe Preisgelder im Spiel sind. Wer sich unrechtmäßig Vorteile verschafft, untergräbt das Vertrauen der Spieler in die Fairness des Wettbewerbs. Für viele Nutzer ist genau das ein Grund, ein Spiel aufzugeben — ein Risiko, das die Branche ernst nimmt.
Activision veröffentlicht die Zahlen in einer Phase, in der die Diskussion über Cheating in der Gaming-Community an Intensität zunimmt. Spielerinnen und Spieler fordern von den Herstellern strengere Maßnahmen, schnellere Sperren und transparentere Kommunikation. Die nun vorgelegten Zahlen dürften als Argument dienen, den Kampf gegen Cheating weiter zu verstärken und auch regulatorische Aufmerksamkeit auf den Markt zu lenken.
Ob sich das Volumen von 8,5 Milliarden Dollar unabhängig bestätigen lässt, ist offen. Die Zahl stammt aus der Analyse des Publishers selbst und umfasst Schätzungen zu einem schwer zu erfassenden, oft im Verborgenen ablaufenden Geschäft. Klar ist jedoch: Solange es Nachfrage nach unfairen Vorteilen gibt, wird auch das Angebot nicht verschwinden. Für die Spieleindustrie bleibt Cheating damit eine dauerhafte technische, wirtschaftliche und communitybezogene Herausforderung.