Das Fahrten-Simulationsspiel «Rideshare Stimulator» von Saber Interactive hat seit seiner Ankündigung vor allem durch Kontroversen auf sich aufmerksam gemacht. Im Mittelpunkt stand dabei der Vorwurf der ehemaligen leitenden Autorin Stella Sacco, das Studio habe sie mitten in der Entwicklung durch KI-generierte Texte ersetzt. Saber wies die Darstellung zurück und betonte, die eigentliche Handlung sei von Menschen geschrieben worden. Generative KI komme lediglich in einem experimentellen Freifahrt-Modus mit endlosen Passagier-Interaktionen zum Einsatz. Die Auseinandersetzung eskalierte, als CEO Matthew Karch öffentlich auf Saccos Aussagen reagierte und dabei auch persönlich wurde.
Doch die KI-Debatte lenkt von einem grundlegenderen Problem ab: «Rideshare Stimulator» ist schlicht kein besonders gutes Spiel. Das Konzept klingt zunächst reizvoll. Man sitzt am Steuer eines Fahrdienst-Unternehmens, das man gemeinsam mit seinem Kumpel Tim betreibt, sammelt Fahrgäste ein, navigiert durch den Verkehr und muss genug Geld verdienen, um den Betrieb am Laufen zu halten. Eine laufende Nebenmission, bei der ein alter Sportwagen in der Garage restauriert werden soll, verspricht zusätzliche Motivation. Das Potenzial für eine unterhaltsame Spielschleife ist vorhanden.
Das eigentliche Problem liegt in der Umsetzung: Je stärker das Spiel die Realität des Jobs simuliert, desto weniger Spaß macht es. Zwar gehört es zum Berufsbild, den Wagen zwischen den Fahrten zu betanken und zu reinigen, doch die Häufigkeit, mit der das Fahrzeug Sprit verbraucht und verschmutzt, unterbricht ständig die Kernbeschäftigung. Was als realistische Simulation gedacht ist, wird zur lästigen Pflicht und zerstört die Immersion. Simulationsspiele können banale Tätigkeiten durchaus unterhaltsam machen – «PowerWash Simulator» zeigt, wie befriedigend selbst das Putzen sein kann. «Rideshare Stimulator» findet diese Balance bislang nicht.
Auch das Fahrverhalten ist betroffen. Man soll Verkehrsregeln befolgen, Fußgänger meiden und gleichzeitig den Zustand des Fahrzeugs im Blick behalten, während die Passagiere zufrieden bleiben sollen. Eine Mission verlangt, einen liegengebliebenen Wagen in einem großen Gebiet zu finden. Das Spiel deutet an, dass der Fahrgast Hinweise geben könnte, doch der schweigt beharrlich – bis man fast direkt neben dem gesuchten Fahrzeug steht. Dann kommt der wenig hilfreiche Ausruf: «Hey, ich glaube, das ist der Truck!» Solche Momente zeigen, wie sehr die Simulation an ihren eigenen Ansprüchen scheitert.
Die KI-Nutzung ist dabei durchaus ein legitimes Thema. Im Spiel sind Radiosender klar als KI-generiert gekennzeichnet, und ein Großteil der Sprachausgabe stammt offenbar ebenfalls von generativen Modellen – mit mäßigem Ergebnis. Das unterstreicht, wo KI sinnvoll eingesetzt werden kann und wo nicht. Sabers Kreativchef Tim Willits hatte im August auf der Gamescom gegenüber Medien betont, das Unternehmen habe niemanden entlassen, um Stellen durch KI zu ersetzen. Die Technologie werde experimentell erprobt, nicht als Ersatz für Mitarbeitende. Die Transparenz über KI-Inhalte ist wichtig, doch sie darf den Blick auf das Spiel selbst nicht verstellen.
Denn «Rideshare Stimulator» will vieles gleichzeitig sein: eine realistische Fahrsimulation, ein Wirtschaftsspiel mit interessanten Passagiergeschichten und ein Projekt zur Restaurierung eines Sportwagens. Jede dieser Ideen könnte für sich genommen ein fesselndes Spiel tragen. In der aktuellen Fassung gibt es jedoch in jedem Bereich zu viele Reibungspunkte, um eine Empfehlung auszusprechen. Der Freifahrt-Modus mit KI-generierten Begegnungen könnte theoretisch für unvorhersehbare Situationen sorgen, doch auch hier bleibt abzuwarten, ob das Konzept aufgeht. Bis dahin gilt: Die größte Baustelle des Spiels ist nicht die KI, sondern das Spielgefühl.