Bei einem Drohnenangriff vor der rumänischen Schwarzmeerküste sind zwei Chemikalientanker in Brand geraten. Wie die rumänischen Behörden am Donnerstag mitteilten, werden sieben Seeleute vermisst. Einem Nato-Militärvertreter zufolge stammten die Drohnen aus Russland. Der rumänische Präsident Nicusor Dan bestätigte die Angriffe, vermied es jedoch, Russland direkt als Verantwortlichen zu benennen.
Die beiden Schiffe ankerten nahe der Mündung des Sulina-Kanals, einer für die Ukraine wichtigen Exportroute über die Donau. Eines der Schiffe befand sich in rumänischen Hoheitsgewässern, das andere knapp außerhalb. In den vergangenen zehn Tagen wurden mindestens fünf weitere Frachtschiffe nahe den Küsten der Nato-Mitglieder Rumänien und Bulgarien getroffen. Nach Angaben örtlicher Behörden gelten mindestens 23 Seeleute als vermisst oder tot.
«Die Lage im Schwarzen Meer ist ernst», sagte Präsident Dan. Nato-Generalsekretär Mark Rutte erklärte nach einem Treffen mit Dan und dem bulgarischen Ministerpräsidenten Rumen Radew, das Bündnis werde seine Abschreckungs- und Verteidigungsposition bei Bedarf anpassen. Wegen der wiederholten russischen Angriffe auf die ukrainischen Schwarzmeerhäfen ist Kiew zunehmend auf die Donauhäfen und Schifffahrtsrouten nahe der Küsten Rumäniens und Bulgariens angewiesen. Die zunehmenden Angriffe auf Handelsschiffe schüren Sorgen über die Getreideexporte aus der Region.
Die rumänische Außenministerin Oana Toiu bezeichnete das Schwarze Meer kürzlich als «das derzeit tödlichste Meer, was die Zahl der Opfer unter Seeleuten in den letzten Monaten angeht». Dem bulgarischen Ministerpräsidenten Radew zufolge wollen die EU-Staats- und Regierungschefs über ein mögliches Moratorium für Angriffe auf zivile Schiffe im Schwarzen Meer beraten.
Unterdessen prüft Washington einen Kurswechsel bei sanktionierten Tankern aus dem Umfeld Russlands. Geplant sind Ausnahmen für nicht betroffene Ölladungen. Der russische Regierungsgegner Michail Chodorkowski äußerte sich in Berlin skeptisch, dass der Ukraine-Krieg und der Großkonflikt zwischen Russland und Europa enden werden, solange Wladimir Putin an der Macht sei. «Wird Putin im Amt sterben? Sehr wahrscheinlich», sagte Chodorkowski über den 74-jährigen Kremlchef. Bestenfalls könne es gelingen, den Krieg einzufrieren und eine begrenzte Deeskalation zu erreichen.
Russland steht kurz vor der Fertigstellung eines großen neuen Stützpunkts für den Start von düsengetriebenen Drohnen in der südwestlichen Region Rostow nahe der ukrainischen Grenze. Dies geht aus einer Auswertung von Satellitenbildern durch die Nachrichtenagentur Reuters und Verteidigungsexperten hervor. Wo am 31. August noch ein unbebautes Feld war, steht inzwischen eine Anlage, die etwa 126 Fußballfelder groß ist, wie Aufnahmen der Satellitenbild-Dienstleister Planet Labs und Airbus zeigen. Die Bauzeit betrug lediglich sechs Wochen.
Die Ukraine will unterdessen ihre großangelegten Angriffe auf russische Ölraffinerien wieder aufnehmen. Das berichtet das Portal unter Berufung auf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Die Angriffe auf die russische Ölinfrastruktur hatten zuletzt zu einem Rückgang der Raffineriekapazitäten geführt und die globalen Ölpreise beeinflusst.