Pokémon-Karten könnten einer provokanten These zufolge selbst einen weltweiten Zusammenbruch überdauern und danach als globales Zahlungsmittel dienen. Diese Einschätzung vertritt Peter Levin, Mitbegründer der Investmentfirma Griffin Gaming Partners und ausgewiesener Sammler der beliebten Tauschkarten. In einem Gespräch mit dem Branchenblatt The Hollywood Reporter erklärte er, er sei «absolut überzeugt», dass Pokémon-Karten am Tag nach einer Apokalypse zur «globalen Währung» würden.
Levin untermauert seine Aussage mit einem drastischen Finanzvergleich: Pokémon-Karten würden den S&P 500 um 3.000 Prozent übertreffen. Der Aktienindex gilt als wichtigster Gradmesser für die Entwicklung des US-Aktienmarktes. Levin beschreibt die Entwicklung des Phänomens als wellenförmig: Ursprünglich in Japan entstanden, habe Pokémon in den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren weltweit Fuß gefasst, einen Höhepunkt und einen Tiefpunkt erlebt und befinde sich seither auf einer «parabolischen Wachstumskurve».
Die Vorstellung, dass Überlebende einer Katastrophe mit Pokémon-Karten handeln, mag abwegig klingen. Doch Levin hat damit unbeabsichtigt die Grundlage für einen möglichen Film geliefert, der in einer Endzeitwelt spielt und in dem seltene Karten als Zahlungsmittel dienen. Eine solche Produktion könnte das Publikum ähnlich unterhalten wie der Kinofilm «Detective Pikachu», der die Taschenmonster bereits erfolgreich auf die Leinwand brachte. Ob das Szenario realistisch ist, steht auf einem anderen Blatt.
Tatsächlich ist die Popularität von Pokémon seit mehr als drei Jahrzehnten ungebrochen. Die Karten- und Videospiele erfreuen sich weltweit anhaltender Beliebtheit. Immer wieder sorgen spektakuläre Verkäufe für Schlagzeilen, bei denen Sammler hohe Summen für besonders seltene Exemplare zahlen. Berichte über Diebstähle in großem Stil und über kriminelle Netzwerke, die mit seltenen Karten Geldwäsche betreiben sollen, belegen den materiellen Wert, den manche Menschen den Karten beimessen.
Allerdings gibt es einen entscheidenden Haken an Levins Apokalypse-Szenario. Der Wert der Karten hängt ausschließlich davon ab, dass es eine Gemeinschaft zahlungswilliger Käufer gibt, die echtes Geld dafür ausgibt. Ohne dieses Netzwerk aus Sammlern und Händlern wären die Karten im Ernstfall kaum mehr als bedrucktes Papier. Ihre Knappheit allein verleiht ihnen keinen intrinsischen Wert, der unabhängig von einer funktionierenden Wirtschaft bestehen würde.
Unabhängig von derartigen Zukunftsfantasien bleibt Pokémon auch im Hier und Jetzt äußerst präsent. Derzeit entsteht eine neue Stop-Motion-Animationsserie für den Streamingdienst Disney+. Zudem wurden kürzlich die Veranstaltungen für Pokémon Go im September 2026 angekündigt. Bereits in diesem Sommer hatte das Spiel Pokémon Pokopia ein umfangreiches Update erhalten, das neue Inhalte ergänzte.
Für Levin, der als Investor und Sammler an der Schnittstelle von Gaming und Finanzmarkt agiert, ist die Marke längst mehr als ein Kindheitsspiel. Seine These von der Karte als apokalyptischer Währung ist vor allem eines: eine pointierte Zuspitzung der Frage, welchen Stellenwert digitale und physische Sammlerstücke in der Popkultur und im Wirtschaftsleben eingenommen haben. Ob daraus tatsächlich einmal ein Filmstoff wird, werden die kommenden Jahre zeigen.