Wer in diesem Winter alkoholfreien Glühwein kauft, muss nicht mehr auf Fantasienamen ausweichen. Eine Rechtsänderung auf EU-Ebene erlaubt es nun, das Getränk ausdrücklich als «alkoholfreier Glühwein» zu bezeichnen. Das hat das Deutsche Weininstitut (DWI) mit Sitz in Bodenheim in Rheinland-Hessen mitgeteilt, und auch Welt und Stern haben über die Neuerung berichtet.
Bislang durften Hersteller alkoholfreie Varianten nicht unter dem Namen Glühwein verkaufen. Stattdessen mussten sie Bezeichnungen wie «Glühpunsch» oder «Winterzauber» wählen. Der Grund liegt im Gesetz: Glühwein muss rechtlich mindestens sieben Prozent Alkohol enthalten. Eine alkoholfreie Version liegt deutlich darunter und fiel deshalb bisher aus der Bezeichnung heraus. Die neue Regelung sieht vor, dass alkoholfreie Produkte weniger als 0,5 Volumenprozent Alkohol enthalten müssen, um als alkoholfrei gelten zu dürfen. Damit wird eine klare Grenze gezogen, zwischen dem, was als Glühwein bezeichnet werden darf, und dem, was als alkoholfreie Variante gilt.
DWI-Sprecher Ernst Büscher erläuterte, dass Glühwein rechtlich weiterhin als aromatisiertes weinhaltiges Getränk gilt und nicht als Wein. Die Änderung betrifft also die Bezeichnung für ein Produkt, das in seiner Zusammensetzung dem klassischen Glühwein nahekommt, ohne dessen Alkoholgehalt zu haben. Über den genauen Zeitpunkt, zu dem die EU-Regel in Kraft getreten ist, machen die vorliegenden Informationen keine Angaben. Ebenso fehlen Zahlen zu Verkäufen oder zur Größe des Marktes für alkoholfreien Glühwein.
Die alkoholfreien Varianten gibt es laut Bericht in Rot, Weiß und Rosé. Hergestellt werden sie, indem roter, rosé- oder weißer Wein entalkoholisiert wird. Die Entalkoholisierung entfernt den Alkohol aus dem Grundwein, während die übrigen Bestandteile erhalten bleiben sollen. Bei den Zutaten orientieren sich die Produkte weitgehend am klassischen Rezept mit Zimt, Nelken, Sternanis und Zitrusschalen. Das sorgt dafür, dass das Aroma kräftig bleibt und die Süße dem Original ähnelt. Geschmacklich sollen die Getränke dem klassischen Glühwein daher nahekommen, ohne dass Verbraucher auf die gewohnten Gewürze verzichten müssen.
Praktisch zu beachten ist, dass alkoholfreier Glühwein eine kürzere Haltbarkeit hat als der klassische Glühwein. Das Mindesthaltbarkeitsdatum muss auf dem Etikett angegeben sein, sodass Käufer den Zeitraum jederzeit prüfen können. Nach dem Öffnen sollte das Getränk zügig getrunken oder im Kühlschrank aufbewahrt werden. Wer das beachtet, kann die alkoholfreie Variante über die Winterzeit genießen, ohne dass Geschmack und Qualität schnell nachlassen.